Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro Einführung Meine Damen und Herren, In den letzten Jahren haben viele von uns den Satz gehört: «Es gibt keinen Ruhm in der Prävention.» Dies haben wir während der Pandemie sehr deutlich erlebt. Solange Systeme funktionieren, bleiben sie weitgehend unsichtbar. Erst wenn sie versagen, wird ihre Bedeutung offensichtlich. Das gilt auch für Zahlungen. Im Alltag wird erwartet, dass Zahlungen reibungslos, zuverlässig und ohne Unterbrechungen funktionieren. Doch jüngste Ereignisse haben uns daran erinnert, dass diese Zuverlässigkeit nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Störungen der kritischen Infrastruktur – wie zum Beispiel großflächige Stromausfälle – können schnell die Fähigkeit zur Zahlung beeinträchtigen. In solchen Situationen geht es nicht mehr um Bequemlichkeit. Es geht darum, ob überhaupt Zahlungen geleistet werden können. Resilienz geht nicht um Effizienz in normalen Zeiten – es geht um Funktionalität in außergewöhnlichen Zeiten. In der Eurozone beruht Resilienz nicht auf einem einzigen Instrument. Sie beruht auf Komplementarität. Bargeld spielt eine zentrale Rolle als physische Form von Zentralbankgeld – robust und weit verbreitet. Gleichzeitig werden Zahlungen zunehmend digital. Dies wirft eine wichtige Frage auf: Wie gewährleisten wir Resilienz in einer Welt, in der digitale Zahlungen an Bedeutung gewinnen? Hier kommt der digitale Euro ins Spiel – nicht als Ersatz für Bargeld, sondern als ergänzende Form von öffentlichem Geld im digitalen Raum. Heute möchte ich dies aus drei Perspektiven betrachten: die Rolle von Bargeld als bewährter Anker der Resilienz, wie der digitale Euro in einer digitalen Umgebung dazu beitragen kann, und wo wir in Bezug auf Politik und Umsetzung stehen. Was bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr? Meine Damen und Herren, Bevor wir über spezifische Instrumente diskutieren, lohnt es sich zu fragen: Was bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr eigentlich? Im Kern bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr eine Sache: Menschen müssen Zahlungen leisten können – auch wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind. Dieses Konzept umfasst drei wesentliche Elemente: Verfügbarkeit: Zahlungen müssen möglich sein, wenn die Menschen sie benötigen, nicht nur in normalen Zeiten, sondern auch unter Stress. Robustheit: Systeme müssen Störungen standhalten können, sei es durch technische Ausfälle, Cyber-Vorfälle oder Unterbrechungen der kritischen Infrastruktur. Redundanz: Es müssen alternative Möglichkeiten zur Zahlung vorhanden sein, wenn ein Kanal nicht mehr verfügbar ist. Diese Elemente sind eng miteinander verbunden. In der Praxis geht es bei Resilienz nicht darum, alle Störungen zu verhindern, sondern sicherzustellen, dass das System als Ganzes auch dann weiter funktioniert, wenn Störungen auftreten. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell Störungen vernetzte Systeme beeinflussen können: Cyber-Vorfälle, die Finanzinstitute betreffen, Ausfälle von Zahlungsdienstleistern und Ausfälle der Grundinfrastruktur wie Strom oder Telekommunikation. Deshalb kann Resilienz im Zahlungsverkehr nicht auf einer einzigen Lösung beruhen. Es erfordert ein geschichtetes und diversifiziertes System mit verschiedenen Instrumenten, die sich ergänzen und potenzielle Schwächen ausgleichen. Und in der Eurozone hat sich eine der wichtigsten Säulen der Resilienz immer wieder bewährt. Sie ist weder neu noch digital, aber gerade in Krisenzeiten bleibt sie unverzichtbar. Ich spreche natürlich von Bargeld. Bargeld als bewährter Anker der Resilienz Meine Damen und Herren, Um die Rolle der Resilienz im Zahlungsverkehr besser zu verstehen, ist es hilfreich, kurz darüber nachzudenken, wie Stabilität in monetären Systemen im Laufe der Zeit sichergestellt wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sagte der bekannte Finanzier J.P. Morgan treffend: «Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit.» Zu dieser Zeit war der klassische Goldstandard noch in vollem Gange. Historisch gesehen spielte Gold eine zentrale Rolle als Anker des Vertrauens und der Stabilität. Im Goldstandard waren Währungen an Gold gebunden, und Papiergeld konnte jederzeit gegen physisches Gold eingetauscht werden. Dieses System bot ein hohes Maß an Sicherheit – auch in Krisenzeiten. Heutzutage dient Gold immer noch als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten, wie die jüngsten Preisentwicklungen zeigen. Aber alle Goldstandards sind letztendlich gescheitert, aufgrund eines einfachen Problems: die Goldversorgung konnte mit der wachsenden Nachfrage nach Geld nicht Schritt halten, insbesondere während Krisen und Kriegen. Das System brach zusammen, zuletzt im Bretton-Woods-System im Jahr 1971. Der Goldstandard musste einem neuen Konzept weichen, das auch heute als Resilienzanker in Krisenzeiten dient: Zentralbankgeld, das Fundament unseres Geldsystems. Für die breite Öffentlichkeit ist Bargeld die einzige Form von Zentralbankgeld, die direkt zugänglich und im Alltag nutzbar ist. Das verleiht Bargeld mehrere wichtige Eigenschaften, die es zu einem Eckpfeiler der Resilienz im Zahlungsverkehr machen: Kein Kreditrisiko: Bargeld wird von der Zentralbank ausgegeben und gilt daher als besonders sicher und vertrauenswürdig, insbesondere in unsicheren Zeiten. Unabhängigkeit von digitaler Infrastruktur: Bargeld kann ohne Netzwerke oder Strom genutzt werden, was wertvoll ist, wenn digitale Systeme gestört sind. Privatsphäre: Bargeldzahlungen hinterlassen keine digitalen Spuren, was für viele Bürgerinnen und Bürger wichtig bleibt. Inklusivität: Bargeld ist für alle zugänglich, auch für diejenigen ohne Zugang zu digitalen Dienstleistungen. Zusammen genommen machen diese Merkmale Bargeld zu einer einzigartig robusten Zahlungsform und erklären, warum es weiterhin eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung der Resilienz spielt – insbesondere in Krisenzeiten. Für uns Zentralbanken wirft dies jedoch zwei besondere Fragen auf, auf die ich heute näher eingehen möchte: Wie wichtig ist Bargeld als sicherer Hafen in Zeiten erhöhter Unsicherheit? Wie kann die dauerhafte Verfügbarkeit von Bargeld gewährleistet werden, insbesondere in Krisensituationen? Um die erste Frage zu beantworten, ist es hilfreich, ökonometrische Studien zu betrachten, die darauf abzielen, ein tieferes Verständnis des Banknotenumlaufs zu gewinnen. Tatsächlich zeigen Belege aus empirischer Forschung, dass die Nachfrage nach Bargeld in Deutschland und im Euroraum während Phasen der Unsicherheit, wie der globalen Finanzkrise und der COVID-19-Pandemie, signifikant gestiegen ist. Interessanterweise beschränkt sich dieses Muster nicht auf den Euroraum. Internationale Studien der Bundesbank – die 16 ausgewählte Länder und Währungsräume weltweit abdecken – haben ergeben, dass zwischen 1990 und 2022 die Nachfrage nach Bargeld in den meisten Ländern zugenommen hat, auch wenn der Einsatz von Bargeld für alltägliche Transaktionen abgenommen hat. Dieses sogenannte «Banknotenparadox» wird größtenteils durch Krisenereignisse angetrieben, die zu einer erheblichen Vorsorge für Bargeld führen. Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro Infolgedessen fungiert Bargeld weiterhin international als Vertrauensanker, auch in unsicheren Zeiten. Lassen Sie uns nun die zweite Frage angehen – nämlich, wie man in Krisenzeiten eine sichere Bargeldversorgung garantieren kann. Zunächst sollte betont werden, dass Bargeld nur dann diese Rolle erfüllen kann, wenn es zuverlässig verfügbar ist. Die Resilienz hängt daher nicht nur von den Eigenschaften des Bargelds selbst ab, sondern auch von einer starken und gut funktionierenden Bargeldinfrastruktur. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Zentralbanken entscheidend. Daher ist eines der Hauptziele der EZB und der Zentralbanken des Eurosystems sicherzustellen, dass Bargeld jederzeit zugänglich und akzeptiert bleibt. Dies ist zentral für ihre Bargeldstrategie. In Deutschland hatte die Bundesbank bis 2023 bereits begonnen, ihre strategischen Prioritäten auf die wirtschaftliche und nachhaltige Versorgung mit Bargeld als physischem Kernprodukt auszurichten. Im Rahmen dieser Strategie verpflichtet sich die Bundesbank auch dazu, vorausschauende Maßnahmen umzusetzen, um eine angemessene Bargeldversorgung in Krisen- und Notfällen sicherzustellen. Übrigens hat sich dieses Engagement im Laufe der Zeit entwickelt: Sie werden überrascht sein zu erfahren, dass die Bundesbank bereits im Kalten Krieg auf Notfälle im wahrsten Sinne des Wortes vorbereitet war – mit einem geheimen Bunker im Moseltal, ausgestattet mit Notwährung. Die Zeiten haben sich jedoch geändert: Heutzutage ähnelt die Krisenvorsorge eher einer strategischen Planung als einem Spionagefilm. Dementsprechend führt die Bundesbank systematische Szenarioanalysen durch, um die Auswirkungen potenzieller Krisen – wie zum Beispiel größere Stromausfälle – auf ihre Filialen und den Bargeldkreislauf zu bewerten. Dies verdeutlicht den Vorteil des bundesweiten Netzwerks von 31 Bundesbankfilialen: Durch die breite geografische Verteilung können andere Standorte vorübergehend für das Versagen einzelner Filialen kompensieren und so die Gesamtresilienz verbessern. Gleichzeitig verbessert die gezielte Modernisierung des Bundesbankfilialnetzes die Effizienz des Bargeldsystems. Durch die Einrichtung von vier strategisch günstig gelegenen modernen Filialen und die Schließung unterausgelasteter Standorte kann der Zugang für Bargeldabwickler optimiert werden, insbesondere in Krisenzeiten. Da die Öffentlichkeit keinen direkten Zugang zur Zentralbank mehr hat, ist eine sichere Bargeldversorgung auf ein weit verzweigtes Netzwerk von Bargeldzugangspunkten in ganz Deutschland angewiesen. Und diese Infrastruktur ist dicht und gut ausgebaut: Im Jahr 2023 standen der Bevölkerung etwa 51.000 Geldautomaten und 21.000 Bankfilialen zur Verfügung. Laut einer Analyse der Bundesbank betrug die durchschnittliche Entfernung von einem Bürger zu seinem nächsten Bargeldzugangspunkt etwa 1,4 Kilometer – oder sogar nur 1,2 Kilometer, wenn Einzelhandelsbargelddienste einbezogen werden. Dies zeigt, dass der Zugang zu Bargeld kein abstraktes Konzept, sondern eine praktische und alltägliche Realität für die große Mehrheit der Bevölkerung ist. Das Bargeldversorgungssystem in Deutschland basiert auf der Zusammenarbeit vieler Akteure: Neben der Bundesbank, die neues Bargeld in Umlauf bringt, spielen auch Geschäftsbanken, Geldtransportunternehmen, Einzelhändler und unabhängige Geldautomatenbetreiber eine wichtige Rolle. Gemeinsam bilden sie ein dichtes Netzwerk, das den kontinuierlichen Umlauf und die Verfügbarkeit von Bargeld gewährleistet. Diese dezentrale Struktur erhöht die Resilienz, da vorübergehende Störungen an einzelnen Standorten durch andere kompensiert werden können. Gleichzeitig erfordert sie eine effektive Koordinierung und zuverlässige Kommunikation, insbesondere in Krisenzeiten. Aus diesem Grund arbeitet die Bundesbank aktiv mit allen Beteiligten im Bargeldkreislauf zusammen, um die Krisenbereitschaft zu stärken und die Krisenkoordination zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die BASIC-Initiative, eine gemeinsame Anstrengung der Zentralbank, der Akademie und wichtiger Marktteilnehmer, die einen umfassenden Rahmen entwickelt hat, um die Resilienz von Bargeldsystemen sowohl national als auch international zu verbessern. Zusammenfassend: Die Gewährleistung, dass Bargeld ein zuverlässiges Zahlungsmittel bleibt – insbesondere in Krisenzeiten – erfordert eine starke Infrastruktur und enge Zusammenarbeit zwischen der Zentralbank, den Entscheidungsträgern und den Akteuren des Privatsektors. Aber das Fazit ist klar: Bargeld hat sich immer wieder als widerstandsfähiger Anker im Zahlungssystem bewährt. Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem Digitalen Euro Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro Grundlagen-der-Resilienz-Die-Rolle-von-Bargeld-und-dem-digitalen.png

Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro Einführung Meine Damen und Herren, In den letzten Jahren haben viele von uns den Satz gehört: «Es gibt keinen Ruhm in der Prävention.» Dies haben wir während der Pandemie sehr deutlich erlebt. Solange Systeme funktionieren, bleiben sie weitgehend unsichtbar. Erst wenn sie versagen, wird ihre Bedeutung offensichtlich. Das gilt auch für Zahlungen. Im Alltag wird erwartet, dass Zahlungen reibungslos, zuverlässig und ohne Unterbrechungen funktionieren. Doch jüngste Ereignisse haben uns daran erinnert, dass diese Zuverlässigkeit nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Störungen der kritischen Infrastruktur – wie zum Beispiel großflächige Stromausfälle – können schnell die Fähigkeit zur Zahlung beeinträchtigen. In solchen Situationen geht es nicht mehr um Bequemlichkeit. Es geht darum, ob überhaupt Zahlungen geleistet werden können. Resilienz geht nicht um Effizienz in normalen Zeiten – es geht um Funktionalität in außergewöhnlichen Zeiten. In der Eurozone beruht Resilienz nicht auf einem einzigen Instrument. Sie beruht auf Komplementarität. Bargeld spielt eine zentrale Rolle als physische Form von Zentralbankgeld – robust und weit verbreitet. Gleichzeitig werden Zahlungen zunehmend digital. Dies wirft eine wichtige Frage auf: Wie gewährleisten wir Resilienz in einer Welt, in der digitale Zahlungen an Bedeutung gewinnen? Hier kommt der digitale Euro ins Spiel – nicht als Ersatz für Bargeld, sondern als ergänzende Form von öffentlichem Geld im digitalen Raum. Heute möchte ich dies aus drei Perspektiven betrachten: die Rolle von Bargeld als bewährter Anker der Resilienz, wie der digitale Euro in einer digitalen Umgebung dazu beitragen kann, und wo wir in Bezug auf Politik und Umsetzung stehen. Was bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr? Meine Damen und Herren, Bevor wir über spezifische Instrumente diskutieren, lohnt es sich zu fragen: Was bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr eigentlich? Im Kern bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr eine Sache: Menschen müssen Zahlungen leisten können – auch wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind. Dieses Konzept umfasst drei wesentliche Elemente: Verfügbarkeit: Zahlungen müssen möglich sein, wenn die Menschen sie benötigen, nicht nur in normalen Zeiten, sondern auch unter Stress. Robustheit: Systeme müssen Störungen standhalten können, sei es durch technische Ausfälle, Cyber-Vorfälle oder Unterbrechungen der kritischen Infrastruktur. Redundanz: Es müssen alternative Möglichkeiten zur Zahlung vorhanden sein, wenn ein Kanal nicht mehr verfügbar ist. Diese Elemente sind eng miteinander verbunden. In der Praxis geht es bei Resilienz nicht darum, alle Störungen zu verhindern, sondern sicherzustellen, dass das System als Ganzes auch dann weiter funktioniert, wenn Störungen auftreten. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell Störungen vernetzte Systeme beeinflussen können: Cyber-Vorfälle, die Finanzinstitute betreffen, Ausfälle von Zahlungsdienstleistern und Ausfälle der Grundinfrastruktur wie Strom oder Telekommunikation. Deshalb kann Resilienz im Zahlungsverkehr nicht auf einer einzigen Lösung beruhen. Es erfordert ein geschichtetes und diversifiziertes System mit verschiedenen Instrumenten, die sich ergänzen und potenzielle Schwächen ausgleichen. Und in der Eurozone hat sich eine der wichtigsten Säulen der Resilienz immer wieder bewährt. Sie ist weder neu noch digital, aber gerade in Krisenzeiten bleibt sie unverzichtbar. Ich spreche natürlich von Bargeld. Bargeld als bewährter Anker der Resilienz Meine Damen und Herren, Um die Rolle der Resilienz im Zahlungsverkehr besser zu verstehen, ist es hilfreich, kurz darüber nachzudenken, wie Stabilität in monetären Systemen im Laufe der Zeit sichergestellt wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sagte der bekannte Finanzier J.P. Morgan treffend: «Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit.» Zu dieser Zeit war der klassische Goldstandard noch in vollem Gange. Historisch gesehen spielte Gold eine zentrale Rolle als Anker des Vertrauens und der Stabilität. Im Goldstandard waren Währungen an Gold gebunden, und Papiergeld konnte jederzeit gegen physisches Gold eingetauscht werden. Dieses System bot ein hohes Maß an Sicherheit – auch in Krisenzeiten. Heutzutage dient Gold immer noch als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten, wie die jüngsten Preisentwicklungen zeigen. Aber alle Goldstandards sind letztendlich gescheitert, aufgrund eines einfachen Problems: die Goldversorgung konnte mit der wachsenden Nachfrage nach Geld nicht Schritt halten, insbesondere während Krisen und Kriegen. Das System brach zusammen, zuletzt im Bretton-Woods-System im Jahr 1971. Der Goldstandard musste einem neuen Konzept weichen, das auch heute als Resilienzanker in Krisenzeiten dient: Zentralbankgeld, das Fundament unseres Geldsystems. Für die breite Öffentlichkeit ist Bargeld die einzige Form von Zentralbankgeld, die direkt zugänglich und im Alltag nutzbar ist. Das verleiht Bargeld mehrere wichtige Eigenschaften, die es zu einem Eckpfeiler der Resilienz im Zahlungsverkehr machen: Kein Kreditrisiko: Bargeld wird von der Zentralbank ausgegeben und gilt daher als besonders sicher und vertrauenswürdig, insbesondere in unsicheren Zeiten. Unabhängigkeit von digitaler Infrastruktur: Bargeld kann ohne Netzwerke oder Strom genutzt werden, was wertvoll ist, wenn digitale Systeme gestört sind. Privatsphäre: Bargeldzahlungen hinterlassen keine digitalen Spuren, was für viele Bürgerinnen und Bürger wichtig bleibt. Inklusivität: Bargeld ist für alle zugänglich, auch für diejenigen ohne Zugang zu digitalen Dienstleistungen. Zusammen genommen machen diese Merkmale Bargeld zu einer einzigartig robusten Zahlungsform und erklären, warum es weiterhin eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung der Resilienz spielt – insbesondere in Krisenzeiten. Für uns Zentralbanken wirft dies jedoch zwei besondere Fragen auf, auf die ich heute näher eingehen möchte: Wie wichtig ist Bargeld als sicherer Hafen in Zeiten erhöhter Unsicherheit? Wie kann die dauerhafte Verfügbarkeit von Bargeld gewährleistet werden, insbesondere in Krisensituationen? Um die erste Frage zu beantworten, ist es hilfreich, ökonometrische Studien zu betrachten, die darauf abzielen, ein tieferes Verständnis des Banknotenumlaufs zu gewinnen. Tatsächlich zeigen Belege aus empirischer Forschung, dass die Nachfrage nach Bargeld in Deutschland und im Euroraum während Phasen der Unsicherheit, wie der globalen Finanzkrise und der COVID-19-Pandemie, signifikant gestiegen ist. Interessanterweise beschränkt sich dieses Muster nicht auf den Euroraum. Internationale Studien der Bundesbank – die 16 ausgewählte Länder und Währungsräume weltweit abdecken – haben ergeben, dass zwischen 1990 und 2022 die Nachfrage nach Bargeld in den meisten Ländern zugenommen hat, auch wenn der Einsatz von Bargeld für alltägliche Transaktionen abgenommen hat. Dieses sogenannte «Banknotenparadox» wird größtenteils durch Krisenereignisse angetrieben, die zu einer erheblichen Vorsorge für Bargeld führen. Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro Infolgedessen fungiert Bargeld weiterhin international als Vertrauensanker, auch in unsicheren Zeiten. Lassen Sie uns nun die zweite Frage angehen – nämlich, wie man in Krisenzeiten eine sichere Bargeldversorgung garantieren kann. Zunächst sollte betont werden, dass Bargeld nur dann diese Rolle erfüllen kann, wenn es zuverlässig verfügbar ist. Die Resilienz hängt daher nicht nur von den Eigenschaften des Bargelds selbst ab, sondern auch von einer starken und gut funktionierenden Bargeldinfrastruktur. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Zentralbanken entscheidend. Daher ist eines der Hauptziele der EZB und der Zentralbanken des Eurosystems sicherzustellen, dass Bargeld jederzeit zugänglich und akzeptiert bleibt. Dies ist zentral für ihre Bargeldstrategie. In Deutschland hatte die Bundesbank bis 2023 bereits begonnen, ihre strategischen Prioritäten auf die wirtschaftliche und nachhaltige Versorgung mit Bargeld als physischem Kernprodukt auszurichten. Im Rahmen dieser Strategie verpflichtet sich die Bundesbank auch dazu, vorausschauende Maßnahmen umzusetzen, um eine angemessene Bargeldversorgung in Krisen- und Notfällen sicherzustellen. Übrigens hat sich dieses Engagement im Laufe der Zeit entwickelt: Sie werden überrascht sein zu erfahren, dass die Bundesbank bereits im Kalten Krieg auf Notfälle im wahrsten Sinne des Wortes vorbereitet war – mit einem geheimen Bunker im Moseltal, ausgestattet mit Notwährung. Die Zeiten haben sich jedoch geändert: Heutzutage ähnelt die Krisenvorsorge eher einer strategischen Planung als einem Spionagefilm. Dementsprechend führt die Bundesbank systematische Szenarioanalysen durch, um die Auswirkungen potenzieller Krisen – wie zum Beispiel größere Stromausfälle – auf ihre Filialen und den Bargeldkreislauf zu bewerten. Dies verdeutlicht den Vorteil des bundesweiten Netzwerks von 31 Bundesbankfilialen: Durch die breite geografische Verteilung können andere Standorte vorübergehend für das Versagen einzelner Filialen kompensieren und so die Gesamtresilienz verbessern. Gleichzeitig verbessert die gezielte Modernisierung des Bundesbankfilialnetzes die Effizienz des Bargeldsystems. Durch die Einrichtung von vier strategisch günstig gelegenen modernen Filialen und die Schließung unterausgelasteter Standorte kann der Zugang für Bargeldabwickler optimiert werden, insbesondere in Krisenzeiten. Da die Öffentlichkeit keinen direkten Zugang zur Zentralbank mehr hat, ist eine sichere Bargeldversorgung auf ein weit verzweigtes Netzwerk von Bargeldzugangspunkten in ganz Deutschland angewiesen. Und diese Infrastruktur ist dicht und gut ausgebaut: Im Jahr 2023 standen der Bevölkerung etwa 51.000 Geldautomaten und 21.000 Bankfilialen zur Verfügung. Laut einer Analyse der Bundesbank betrug die durchschnittliche Entfernung von einem Bürger zu seinem nächsten Bargeldzugangspunkt etwa 1,4 Kilometer – oder sogar nur 1,2 Kilometer, wenn Einzelhandelsbargelddienste einbezogen werden. Dies zeigt, dass der Zugang zu Bargeld kein abstraktes Konzept, sondern eine praktische und alltägliche Realität für die große Mehrheit der Bevölkerung ist. Das Bargeldversorgungssystem in Deutschland basiert auf der Zusammenarbeit vieler Akteure: Neben der Bundesbank, die neues Bargeld in Umlauf bringt, spielen auch Geschäftsbanken, Geldtransportunternehmen, Einzelhändler und unabhängige Geldautomatenbetreiber eine wichtige Rolle. Gemeinsam bilden sie ein dichtes Netzwerk, das den kontinuierlichen Umlauf und die Verfügbarkeit von Bargeld gewährleistet. Diese dezentrale Struktur erhöht die Resilienz, da vorübergehende Störungen an einzelnen Standorten durch andere kompensiert werden können. Gleichzeitig erfordert sie eine effektive Koordinierung und zuverlässige Kommunikation, insbesondere in Krisenzeiten. Aus diesem Grund arbeitet die Bundesbank aktiv mit allen Beteiligten im Bargeldkreislauf zusammen, um die Krisenbereitschaft zu stärken und die Krisenkoordination zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die BASIC-Initiative, eine gemeinsame Anstrengung der Zentralbank, der Akademie und wichtiger Marktteilnehmer, die einen umfassenden Rahmen entwickelt hat, um die Resilienz von Bargeldsystemen sowohl national als auch international zu verbessern. Zusammenfassend: Die Gewährleistung, dass Bargeld ein zuverlässiges Zahlungsmittel bleibt – insbesondere in Krisenzeiten – erfordert eine starke Infrastruktur und enge Zusammenarbeit zwischen der Zentralbank, den Entscheidungsträgern und den Akteuren des Privatsektors. Aber das Fazit ist klar: Bargeld hat sich immer wieder als widerstandsfähiger Anker im Zahlungssystem bewährt. Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem Digitalen Euro Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro

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Resilienz geht nicht um Effizienz in normalen Zeiten – es geht um Funktionalität in außergewöhnlichen Zeiten. In der Eurozone beruht Resilienz nicht auf einem einzigen Instrument. Sie beruht auf Komplementarität. Bargeld spielt eine zentrale Rolle als physische Form von Zentralbankgeld – robust und weit verbreitet. Gleichzeitig werden Zahlungen zunehmend digital. Dies wirft eine wichtige Frage auf: Wie gewährleisten wir Resilienz in einer Welt, in der digitale Zahlungen an Bedeutung gewinnen? Hier kommt der digitale Euro ins Spiel – nicht als Ersatz für Bargeld, sondern als ergänzende Form von öffentlichem Geld im digitalen Raum. Heute möchte ich dies aus drei Perspektiven betrachten: die Rolle von Bargeld als bewährter Anker der Resilienz, wie der digitale Euro in einer digitalen Umgebung dazu beitragen kann, und wo wir in Bezug auf Politik und Umsetzung stehen. Was bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr? Meine Damen und Herren, Bevor wir über spezifische Instrumente diskutieren, lohnt es sich zu fragen: Was bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr eigentlich? Im Kern bedeutet Resilienz im Zahlungsverkehr eine Sache: Menschen müssen Zahlungen leisten können – auch wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind. Dieses Konzept umfasst drei wesentliche Elemente: Verfügbarkeit: Zahlungen müssen möglich sein, wenn die Menschen sie benötigen, nicht nur in normalen Zeiten, sondern auch unter Stress. Robustheit: Systeme müssen Störungen standhalten können, sei es durch technische Ausfälle, Cyber-Vorfälle oder Unterbrechungen der kritischen Infrastruktur. Redundanz: Es müssen alternative Möglichkeiten zur Zahlung vorhanden sein, wenn ein Kanal nicht mehr verfügbar ist. Diese Elemente sind eng miteinander verbunden. In der Praxis geht es bei Resilienz nicht darum, alle Störungen zu verhindern, sondern sicherzustellen, dass das System als Ganzes auch dann weiter funktioniert, wenn Störungen auftreten. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell Störungen vernetzte Systeme beeinflussen können: Cyber-Vorfälle, die Finanzinstitute betreffen, Ausfälle von Zahlungsdienstleistern und Ausfälle der Grundinfrastruktur wie Strom oder Telekommunikation. Deshalb kann Resilienz im Zahlungsverkehr nicht auf einer einzigen Lösung beruhen. Es erfordert ein geschichtetes und diversifiziertes System mit verschiedenen Instrumenten, die sich ergänzen und potenzielle Schwächen ausgleichen. Und in der Eurozone hat sich eine der wichtigsten Säulen der Resilienz immer wieder bewährt. Sie ist weder neu noch digital, aber gerade in Krisenzeiten bleibt sie unverzichtbar. Ich spreche natürlich von Bargeld. Bargeld als bewährter Anker der Resilienz Meine Damen und Herren, Um die Rolle der Resilienz im Zahlungsverkehr besser zu verstehen, ist es hilfreich, kurz darüber nachzudenken, wie Stabilität in monetären Systemen im Laufe der Zeit sichergestellt wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sagte der bekannte Finanzier J.P. Morgan treffend: «Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit.» Zu dieser Zeit war der klassische Goldstandard noch in vollem Gange. Historisch gesehen spielte Gold eine zentrale Rolle als Anker des Vertrauens und der Stabilität. Im Goldstandard waren Währungen an Gold gebunden, und Papiergeld konnte jederzeit gegen physisches Gold eingetauscht werden. Dieses System bot ein hohes Maß an Sicherheit – auch in Krisenzeiten. Heutzutage dient Gold immer noch als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten, wie die jüngsten Preisentwicklungen zeigen. Aber alle Goldstandards sind letztendlich gescheitert, aufgrund eines einfachen Problems: die Goldversorgung konnte mit der wachsenden Nachfrage nach Geld nicht Schritt halten, insbesondere während Krisen und Kriegen. Das System brach zusammen, zuletzt im Bretton-Woods-System im Jahr 1971. Der Goldstandard musste einem neuen Konzept weichen, das auch heute als Resilienzanker in Krisenzeiten dient: Zentralbankgeld, das Fundament unseres Geldsystems. Für die breite Öffentlichkeit ist Bargeld die einzige Form von Zentralbankgeld, die direkt zugänglich und im Alltag nutzbar ist. Das verleiht Bargeld mehrere wichtige Eigenschaften, die es zu einem Eckpfeiler der Resilienz im Zahlungsverkehr machen: Kein Kreditrisiko: Bargeld wird von der Zentralbank ausgegeben und gilt daher als besonders sicher und vertrauenswürdig, insbesondere in unsicheren Zeiten. Unabhängigkeit von digitaler Infrastruktur: Bargeld kann ohne Netzwerke oder Strom genutzt werden, was wertvoll ist, wenn digitale Systeme gestört sind. Privatsphäre: Bargeldzahlungen hinterlassen keine digitalen Spuren, was für viele Bürgerinnen und Bürger wichtig bleibt. Inklusivität: Bargeld ist für alle zugänglich, auch für diejenigen ohne Zugang zu digitalen Dienstleistungen. Zusammen genommen machen diese Merkmale Bargeld zu einer einzigartig robusten Zahlungsform und erklären, warum es weiterhin eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung der Resilienz spielt – insbesondere in Krisenzeiten. Für uns Zentralbanken wirft dies jedoch zwei besondere Fragen auf, auf die ich heute näher eingehen möchte: Wie wichtig ist Bargeld als sicherer Hafen in Zeiten erhöhter Unsicherheit? Wie kann die dauerhafte Verfügbarkeit von Bargeld gewährleistet werden, insbesondere in Krisensituationen? Um die erste Frage zu beantworten, ist es hilfreich, ökonometrische Studien zu betrachten, die darauf abzielen, ein tieferes Verständnis des Banknotenumlaufs zu gewinnen. Tatsächlich zeigen Belege aus empirischer Forschung, dass die Nachfrage nach Bargeld in Deutschland und im Euroraum während Phasen der Unsicherheit, wie der globalen Finanzkrise und der COVID-19-Pandemie, signifikant gestiegen ist. Interessanterweise beschränkt sich dieses Muster nicht auf den Euroraum. Internationale Studien der Bundesbank – die 16 ausgewählte Länder und Währungsräume weltweit abdecken – haben ergeben, dass zwischen 1990 und 2022 die Nachfrage nach Bargeld in den meisten Ländern zugenommen hat, auch wenn der Einsatz von Bargeld für alltägliche Transaktionen abgenommen hat. Dieses sogenannte «Banknotenparadox» wird größtenteils durch Krisenereignisse angetrieben, die zu einer erheblichen Vorsorge für Bargeld führen. Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro Infolgedessen fungiert Bargeld weiterhin international als Vertrauensanker, auch in unsicheren Zeiten. Lassen Sie uns nun die zweite Frage angehen – nämlich, wie man in Krisenzeiten eine sichere Bargeldversorgung garantieren kann. Zunächst sollte betont werden, dass Bargeld nur dann diese Rolle erfüllen kann, wenn es zuverlässig verfügbar ist. Die Resilienz hängt daher nicht nur von den Eigenschaften des Bargelds selbst ab, sondern auch von einer starken und gut funktionierenden Bargeldinfrastruktur. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Zentralbanken entscheidend. Daher ist eines der Hauptziele der EZB und der Zentralbanken des Eurosystems sicherzustellen, dass Bargeld jederzeit zugänglich und akzeptiert bleibt. Dies ist zentral für ihre Bargeldstrategie. In Deutschland hatte die Bundesbank bis 2023 bereits begonnen, ihre strategischen Prioritäten auf die wirtschaftliche und nachhaltige Versorgung mit Bargeld als physischem Kernprodukt auszurichten. Im Rahmen dieser Strategie verpflichtet sich die Bundesbank auch dazu, vorausschauende Maßnahmen umzusetzen, um eine angemessene Bargeldversorgung in Krisen- und Notfällen sicherzustellen. Übrigens hat sich dieses Engagement im Laufe der Zeit entwickelt: Sie werden überrascht sein zu erfahren, dass die Bundesbank bereits im Kalten Krieg auf Notfälle im wahrsten Sinne des Wortes vorbereitet war – mit einem geheimen Bunker im Moseltal, ausgestattet mit Notwährung. Die Zeiten haben sich jedoch geändert: Heutzutage ähnelt die Krisenvorsorge eher einer strategischen Planung als einem Spionagefilm. Dementsprechend führt die Bundesbank systematische Szenarioanalysen durch, um die Auswirkungen potenzieller Krisen – wie zum Beispiel größere Stromausfälle – auf ihre Filialen und den Bargeldkreislauf zu bewerten. Dies verdeutlicht den Vorteil des bundesweiten Netzwerks von 31 Bundesbankfilialen: Durch die breite geografische Verteilung können andere Standorte vorübergehend für das Versagen einzelner Filialen kompensieren und so die Gesamtresilienz verbessern. Gleichzeitig verbessert die gezielte Modernisierung des Bundesbankfilialnetzes die Effizienz des Bargeldsystems. Durch die Einrichtung von vier strategisch günstig gelegenen modernen Filialen und die Schließung unterausgelasteter Standorte kann der Zugang für Bargeldabwickler optimiert werden, insbesondere in Krisenzeiten. Da die Öffentlichkeit keinen direkten Zugang zur Zentralbank mehr hat, ist eine sichere Bargeldversorgung auf ein weit verzweigtes Netzwerk von Bargeldzugangspunkten in ganz Deutschland angewiesen. Und diese Infrastruktur ist dicht und gut ausgebaut: Im Jahr 2023 standen der Bevölkerung etwa 51.000 Geldautomaten und 21.000 Bankfilialen zur Verfügung. Laut einer Analyse der Bundesbank betrug die durchschnittliche Entfernung von einem Bürger zu seinem nächsten Bargeldzugangspunkt etwa 1,4 Kilometer – oder sogar nur 1,2 Kilometer, wenn Einzelhandelsbargelddienste einbezogen werden. Dies zeigt, dass der Zugang zu Bargeld kein abstraktes Konzept, sondern eine praktische und alltägliche Realität für die große Mehrheit der Bevölkerung ist. Das Bargeldversorgungssystem in Deutschland basiert auf der Zusammenarbeit vieler Akteure: Neben der Bundesbank, die neues Bargeld in Umlauf bringt, spielen auch Geschäftsbanken, Geldtransportunternehmen, Einzelhändler und unabhängige Geldautomatenbetreiber eine wichtige Rolle. Gemeinsam bilden sie ein dichtes Netzwerk, das den kontinuierlichen Umlauf und die Verfügbarkeit von Bargeld gewährleistet. Diese dezentrale Struktur erhöht die Resilienz, da vorübergehende Störungen an einzelnen Standorten durch andere kompensiert werden können. Gleichzeitig erfordert sie eine effektive Koordinierung und zuverlässige Kommunikation, insbesondere in Krisenzeiten. Aus diesem Grund arbeitet die Bundesbank aktiv mit allen Beteiligten im Bargeldkreislauf zusammen, um die Krisenbereitschaft zu stärken und die Krisenkoordination zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die BASIC-Initiative, eine gemeinsame Anstrengung der Zentralbank, der Akademie und wichtiger Marktteilnehmer, die einen umfassenden Rahmen entwickelt hat, um die Resilienz von Bargeldsystemen sowohl national als auch international zu verbessern. Zusammenfassend: Die Gewährleistung, dass Bargeld ein zuverlässiges Zahlungsmittel bleibt – insbesondere in Krisenzeiten – erfordert eine starke Infrastruktur und enge Zusammenarbeit zwischen der Zentralbank, den Entscheidungsträgern und den Akteuren des Privatsektors. Aber das Fazit ist klar: Bargeld hat sich immer wieder als widerstandsfähiger Anker im Zahlungssystem bewährt. Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem Digitalen Euro Grundlagen der Resilienz: Die Rolle von Bargeld und dem digitalen Euro