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Finanzmarkt Nachrichten

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  • Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Die Reaktionen Europas auf globale Herausforderungen Wir treffen uns am Vorabend des Europatags des Europarats. Dies wird gefolgt vom Europatag der Europäischen Union am 9. Mai, an dem der Jahrestag der Schuman-Erklärung gefeiert wird. Dies markiert den Beginn einer neuen Ära des friedlichen Zusammenwirkens in Europa und legte somit die Grundlagen für die heutige Europäische Union. Beide Tage erinnern an die europäische Integration und sind eine Erinnerung an Meilensteine in der Schaffung eines Europas, das aus der Erfahrung der Geschichte gelernt hat. Angesichts der Veränderungen in der Welt, in der Rivalitäten wachsen und das geopolitische Klima raue ist, ist es wichtig, die Errungenschaften der europäischen Integration zu wahren. Frieden, Freiheit und Wohlstand sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern Erfolge, die wir gemeinsam in Europa erreicht haben und gemeinsam bewahren müssen. Europa muss stabil genug und stark genug sein, um mit der neuen globalen Situation umzugehen. In meiner Rede werde ich mich auf die Aspekte konzentrieren, die auch für uns als Zentralbank relevant sind. Es wird um den Binnenmarkt gehen und wie dieser Europa noch stärker machen kann. Meiner Meinung nach spielen die Spar- und Investitionsunion sowie der digitale Euro dabei eine wichtige Rolle. Aber als Zentralbanker steht natürlich die Preisstabilität an erster Stelle. Lassen Sie uns daher mit einem Blick auf Inflation und Geldpolitik im Euroraum beginnen. Bis vor kurzem erzeugte dieser Teil meiner Reden eher Langeweile: Die Inflation pendelte um die 2% Marke und der Ausblick versprach dasselbe. Kurz gesagt, in der Eurozone herrschte Preisstabilität. Die Geldpolitik hatte ihr Ziel erreicht. Diese Langeweile konnte ich gut ertragen. Aber dann begann der Krieg im Iran und veränderte die Situation. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen. Auf dem Weltmarkt stiegen die Öl- und Gaspreise dramatisch an, und die Preise schwanken immer noch weit über den Vorkriegslevels. Dies hat einen doppelten negativen Einfluss: Es dämpft die wirtschaftliche Aktivität und heizt die Inflation an. In den Verbraucherpreisen spüren wir die höheren Rohölpreise aus erster Hand durch Treibstoff und Heizöl. Deshalb ist die Inflationsrate im Euroraum im März stark angestiegen, zunächst auf 2,6% und laut ersten Schätzungen auf 3,0% im April. Dies ist die höchste Rate seit September 2023. Gleichzeitig sehen wir weltweit, dass Störungen auf den Energiemärkten die Liefer- und Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. Energieintensive Produkte werden ebenfalls teurer und knapper. Und mit steigenden Preisen für verschiedene Brennstoffe steigen auch die Transportkosten. Die Geldpolitik kann den abrupten Anstieg der Energiepreise nicht verhindern. Sie kann die Schifffahrtsrouten nicht freihalten oder die Produktions- und Hafenanlagen nicht reparieren. Die Geldpolitik kann jedoch beeinflussen, wie sich die Inflation mittel- bis langfristig entwickeln wird. Es gibt derzeit noch viele Unsicherheiten in dieser Hinsicht. Wie lange wird die Straße von Hormus blockiert bleiben? Wie groß ist der Schaden an der Energieinfrastruktur in der Region? Wie schnell kann dies behoben werden? Wann werden die üblichen Produktionsmengen wieder erreicht? Wann werden sich die gestörten Lieferketten normalisieren? Wann werden die Öl- und Gaspreise wieder deutlich fallen und auf welches Niveau? Eines ist klar: Je länger der Konflikt andauert, desto größer ist das Risiko, dass die Inflation hoch bleibt, wenn die Geldpolitikbehörden nicht handeln. Deshalb betrachten wir zwei Faktoren sehr genau. Erstens, wie stark fließen die hohen Energiepreise in Verbraucherpreise und Lohnverhandlungen ein? Und inwieweit verstärken sich anschließend inländische Preis- und Lohndrücke gegenseitig? Zweitens, mit welcher Inflationsrate rechnen Finanzmarktexperten, aber auch Unternehmen und Haushalte mittel- bis langfristig? Beide Faktoren sind wichtig für den zukünftigen Pfad der Inflation. Und die Geldpolitik kann auf beide Einfluss nehmen. Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sahen wir, wie ein Anstieg der Energiepreise zu einer breiten Inflation führte. Diese Erfahrung ist noch frisch und könnte daher beeinflussen, wie Unternehmen und Haushalte auf diesen neuen Preisschock reagieren. Und tatsächlich sehen wir, dass die Öffentlichkeit jetzt deutlich höhere Inflationserwartungen hat: Von Februar bis März stiegen die mittelfristigen Inflationserwartungen der Haushalte im Euroraum von durchschnittlich 2,5% auf 3,0%. Aber die aktuelle Situation unterscheidet sich sehr von der in 2021 und 2022. Als der Krieg Russlands gegen die Ukraine begann, war die Inflation bereits hoch und der Einlagenzinssatz negativ. Als der Krieg im Iran begann, lag die Inflation bei rund 2% und die Leitzinsen waren weitgehend neutral. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen Die Ausgangslage ist heute also eine andere als damals. Vor diesem Hintergrund traf sich der EZB-Rat letzte Woche. Wir kamen zu dem Schluss, dass es derzeit sinnvoll ist, abzuwarten, um einen klareren Überblick über die Entwicklungen zu erhalten. Daher haben wir die Leitzinsen stabil gehalten. Man sollte die wachsame, abwartende Haltung des EZB-Rats nicht mit Zögerlichkeit verwechseln. Wir sind uns der Risiken für die Preisstabilität bewusst und sind jederzeit handlungsbereit. Der EZB-Rat wird im Juni zu seinem nächsten geldpolitischen Treffen zusammenkommen. Dann werden wir mehr darüber wissen, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickelt. Wir werden auch neue Prognosen haben. Wenn die Inflationsaussichten darin nicht deutlich verbessert sind, spricht dies für eine Zinserhöhung. Der EZB-Rat hat gezeigt, dass er entschlossen handelt, wenn es nötig ist: Er hat die Leitzinsen zwischen Juli 2022 und September 2023 zehnmal erhöht und dann achtmal gesenkt. Ich erwarte, dass sich der Nebel im Juni etwas lichtet und wir klarer sehen, wohin die Reise geht. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Inflationsrate mittelfristig wieder bei 2 % stabilisieren. Darauf basiert unsere geldpolitische Ausrichtung. Herausforderungen in volatilen Zeiten – und Europas Antworten Aber egal wie wichtig eine angemessene geldpolitische Reaktion auf akute Preisschocks ist, sie ist nur ein Teil der Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. In einer Welt anhaltender Unsicherheit geht es nicht nur darum, auf einzelne Ereignisse zu reagieren, sondern unsere wirtschaftspolitischen Strategien insgesamt robuster und anpassungsfähiger zu gestalten. Die Aufmerksamkeit richtet sich daher zunehmend auf strukturelle Veränderungen, die der volatileren Umgebung zugrunde liegen, insbesondere auf die geoeconomische Fragmentierung. Ich möchte nun auf die Herausforderungen eingehen, die sich daraus ergeben – und wie Europa und das Eurosystem darauf reagieren können. Der Internationale Währungsfonds definiert geoeconomische Fragmentierung als eine politisch gesteuerte Umkehrung der wirtschaftlichen Integration, oft geleitet von strategischen Überlegungen. Geoeconomische Fragmentierung betrifft den Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie Finanzströme und Migration. Als Wirtschaft, die stark in den globalen Handel und Wertschöpfungsketten integriert ist, ist Europa besonders von diesem Trend betroffen. In den letzten Jahren hat diese Fragmentierung zu schwächerem Wirtschaftswachstum und abnehmender Wettbewerbsfähigkeit beigetragen. Vor diesem Hintergrund müssen wir entschlossen handeln, um der europäischen Wirtschaft wieder mehr Schwung zu verleihen. Es geht nicht nur darum, unsere globalen Marktanteile zu sichern oder auszubauen, sondern vor allem darum, das enorme Potenzial des europäischen Binnenmarktes besser zu nutzen. Die vielzitierten Berichte von Enrico Letta und Mario Draghi fordern eine deutliche Vereinfachung der Regelungen in der Europäischen Union, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu verbessern. Das Problem besteht hier weniger in der Existenz von Regeln und Vorschriften als vielmehr in ihrem hohen Maß an Komplexität und Starrheit. In der Praxis sieht sich ein mittelständisches Unternehmen, das in der EU tätig werden möchte, häufig nicht mit einem Binnenmarkt konfrontiert, sondern vielmehr mit einem Flickenteppich aus unterschiedlichen nationalen Regeln, Berichtspflichten und Verfahren. Die Europäische Kommission hat bereits Initiativen ergriffen, um die Regulierung in der Europäischen Union zu vereinfachen und die Verwaltungskosten zu reduzieren. Im März legte die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag für die Einführung eines neuen EU-weiten Regimes im Gesellschaftsrecht vor. Dies soll vor allem jungen und innovativen Unternehmen den Betrieb im EU-Binnenmarkt erleichtern und die Wachstumschancen verbessern. Dieser Vorschlag muss nun in Europa verhandelt werden. Meiner Meinung nach bietet er großes Potenzial, die Gründung und Skalierung von Unternehmen im europäischen Binnenmarkt zu erleichtern. Auch im Bereich der Finanzmarktregulierung gibt es Spielraum für Vereinfachungen – ohne dabei die Finanzstabilität zu gefährden. Der EZB-Rat hat eine hochrangige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich speziell mit der Frage beschäftigt, wie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Euroraum effizienter und weniger komplex gestaltet werden können. Ich bin Mitglied dieser Gruppe. Allerdings müssen wir mehr tun als nur die Regulierung zu vereinfachen und die Bürokratie zu reduzieren, um der europäischen Wirtschaft mehr Schwung zu verleihen. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten haben uns gezeigt, wie dringend es ist, die Abhängigkeit der EU von importierter Energie allmählich zu verringern. Hier ist es für uns in Europa entscheidend, gemeinsam daran zu arbeiten, die Versorgung mit erneuerbarer Energie auszubauen und die europäischen Energie netze besser zu verknüpfen. Weitere Bereiche, die entscheidend für den Erfolg sein werden und in denen wir weniger abhängig werden sollten, sind Verteidigung und Digitalisierung, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Diese Herausforderungen können nicht allein mit öffentlichen Mitteln bewältigt werden. Der öffentliche Sektor kann jedoch die Rahmenbedingungen verbessern, damit der private Sektor investieren, Lösungen entwickeln und auf den Markt bringen kann. Dennoch erfordert private Investitionen Finanzierung. Es gibt derzeit noch Raum, die private Finanzierung junger, innovativer Unternehmen in Europa, insbesondere bei Eigenkapitalfinanzierung, auszubauen. Insbesondere im Bereich der Eigenkapitalfinanzierung stießen diese Unternehmen in Europa bisher auf deutlich weniger Interesse bei Investoren als auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Antwort Europas auf diese Herausforderung ist die Spar- und Investitionsunion. Der europäische Binnenmarkt besteht nun seit mehr als 30 Jahren – und doch gibt es immer noch eine erhebliche wirtschaftliche Fragmentierung zwischen den Mitgliedstaaten. Der Fortschritt in Richtung Integration ist begrenzt, insbesondere auf dem europäischen Finanzmarkt. Effektiv haben wir immer noch einzelne nationale Finanzmärkte. Dies belastet die europäische Wirtschaft insgesamt und behindert vor allem die Entwicklung junger und innovativer Unternehmen, da es für sie schwierig ist, grenzüberschreitend Finanzierung zu erhalten. Wir haben viel zu gewinnen, wenn wir weiterhin vorantreiben, die Integration der europäischen Kapitalmärkte voranzutreiben. Denn Europa verfügt über hohe Ersparnisse. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Die Antworten Europas auf globale Herausforderungen, die dazu genutzt werden können, Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Kontinent zu stärken. Die Europäische Union hat bereits wichtige Fortschritte in Richtung einer Spar- und Investitionsunion gemacht. Einige Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Weitere spezifische Vorschläge liegen zur Diskussion auf dem Tisch. Zum Beispiel hat der Rat der Europäischen Union kürzlich grünes Licht für eine größere Harmonisierung der Regeln für Insolvenzverfahren in der EU gegeben. Zusätzliche Schritte zur Beseitigung von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Handel mit Wertpapieren, die Nutzung neuer Technologien wie verteilte Hauptbücher im Finanzsektor sowie eine größere Konvergenz und Zentralisierung der Aufsicht über Finanzmarktinfrastrukturen werden derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Meiner Meinung nach ist es entscheidend, dass Europa in absehbarer Zeit weitere Fortschritte bei der Spar- und Investitionsunion macht. Die Arbeit an diesem Projekt sollte beschleunigt werden. Vor diesem Hintergrund begrüße ich das kürzliche gemeinsame Bekenntnis des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission, bis spätestens Ende 2027 die wichtigsten Elemente für den EU-Binnenmarkt zu verabschieden. Viele wichtige Projekte – insbesondere im Bereich der Spar- und Investitionsunion – sollen sogar noch bis Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Der digitale Euro: Ein Schlüsselprojekt für souveräne europäische Zahlungen Es gibt auch kritische Abhängigkeiten in einem Bereich, für den Zentralbanken verantwortlich sind. Meine Damen und Herren, Sie könnten von diesem Thema sogar heute Abend betroffen sein: nämlich wenn Sie eine Zahlung tätigen und nicht bar bezahlen. Der Trend zu digitalen Zahlungen verstärkt weiterhin nicht-europäische Marktführer wie Mastercard, Visa und PayPal. Dies schafft eine Abhängigkeit, die genauso riskant sein kann wie in den Bereichen Verteidigung oder künstliche Intelligenz. Dies haben bereits Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gespürt: Nach US-Sanktionen haben Banken und Zahlungsdienstleister ihre Konten und Karten gesperrt. All dies unterstreicht die Notwendigkeit zu handeln: Europa kann nicht einfach im Beifahrersitz sitzen, wenn es um Zahlungen geht. Europa muss am Steuer sitzen. Hier kommt der digitale Euro ins Spiel. Es handelt sich um ein Schlüsselprojekt zur Stärkung der Souveränität Europas im Zahlungsverkehr. Es wäre ein sicheres, allgemein akzeptiertes digitales Zahlungsmittel, basierend auf europäischer Infrastruktur und unter europäischer Kontrolle. Die Zentralbanken des Eurogebiets arbeiten gemeinsam daran. Und die Bundesbank ist Teil des Konsortiums, das das Projekt im Detail umsetzt. Der digitale Euro wäre eine zusätzliche elektronische Form von Zentralbankgeld. Der Schwerpunkt liegt hier auf «zusätzlich»: Er wird Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Wer bar bezahlen möchte, kann dies auch in Zukunft tun. Wenn Sie jedoch digital bezahlen möchten, werden Sie erstmals mit Geld der Zentralbank bezahlen können. Der digitale Euro wird eine digitale Zahlungslösung bieten, die in ganz Europa genutzt werden kann. Dies mag zunächst abstrakt klingen. Aber die Vorteile für die Allgemeinheit sind sehr real. Der digitale Euro soll in Unternehmen, im Online-Handel und für Zahlungen zwischen Privatpersonen funktionieren. Und er wird nahtlos im gesamten Eurogebiet funktionieren. Heute bestehen fast alle Optionen aus eigenständigen nationalen Lösungen. Metaphorisch gesprochen ist Europa ein Flickenteppich, und dieser Flickenteppich hat noch viele Lücken. Wir brauchen eine wirklich europäische digitale Zahlungsoption, die überall funktioniert. Genau diese Lücke kann der digitale Euro schließen. Er wäre nicht nur bequem. Er würde auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Und diese gesteigerte Widerstandsfähigkeit betrifft nicht nur nicht-europäische Anbieter: Der digitale Euro soll auch offline funktionieren können. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass Sie auch ohne Zugang zu Strom oder Internet Zahlungen tätigen können. Dies unterstützt Strategien zur Reduzierung von Verwundbarkeiten in kritischer Infrastruktur. Mir ist bewusst, dass ein weiterer Aspekt des digitalen Euro vielen Menschen auf dem Herzen liegt: Was passiert mit meinen Daten? Der digitale Euro wurde von Anfang an mit hohen Datenschutzstandards entwickelt. Das Eurosystem wird keinen Zugriff auf persönliche Zahlungsdaten der Nutzer haben. Der Staat wird also weder sehen, was die Menschen kaufen noch wo sie einkaufen. Die geplante Offline-Funktionalität wird ein noch höheres Maß an Privatsphäre erreichen, ähnlich wie bei Bargeld. Persönliche Transaktionsdaten werden nur zwei Personen bekannt sein: dem Zahler und dem Empfänger. Und ich möchte noch betonen: Der digitale Euro richtet sich nicht gegen Banken oder private Anbieter. Öffentliche und private Lösungen können sich ergänzen. Der digitale Euro könnte eine gemeinsame europäische Infrastruktur schaffen, auf der private Zahlungsdienstleister ihre eigenen Angebote entwickeln können. Insgesamt ist der digitale Euro viel mehr als nur eine neue App oder eine neue Zahlungsmethode. Es geht um Wahlfreiheit, Datenschutz und den Zugang zu öffentlichem Geld – auch in der digitalen Umgebung. Und es geht um die Stärkung von Effizienz, Widerstandsfähigkeit und strategischer Autonomie im europäischen Zahlungsverkehr. Damit der digitale Euro Realität wird, müssen wir einen verbindlichen rechtlichen Rahmen schaffen. Hier kommen die EU-Gesetzgeber ins Spiel. Ich bin zuversichtlich, dass in rechtlicher Hinsicht bis Ende des Jahres alles besiegelt sein wird. Sobald die rechtliche Grundlage geschaffen wurde, wird der EZB-Rat eine endgültige Entscheidung darüber treffen, ob der digitale Euro tatsächlich eingeführt wird. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen
  • Regulator

Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Die Reaktionen Europas auf globale Herausforderungen Wir treffen uns am Vorabend des Europatags des Europarats. Dies wird gefolgt vom Europatag der Europäischen Union am 9. Mai, an dem der Jahrestag der Schuman-Erklärung gefeiert wird. Dies markiert den Beginn einer neuen Ära des friedlichen Zusammenwirkens in Europa und legte somit die Grundlagen für die heutige Europäische Union. Beide Tage erinnern an die europäische Integration und sind eine Erinnerung an Meilensteine in der Schaffung eines Europas, das aus der Erfahrung der Geschichte gelernt hat. Angesichts der Veränderungen in der Welt, in der Rivalitäten wachsen und das geopolitische Klima raue ist, ist es wichtig, die Errungenschaften der europäischen Integration zu wahren. Frieden, Freiheit und Wohlstand sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern Erfolge, die wir gemeinsam in Europa erreicht haben und gemeinsam bewahren müssen. Europa muss stabil genug und stark genug sein, um mit der neuen globalen Situation umzugehen. In meiner Rede werde ich mich auf die Aspekte konzentrieren, die auch für uns als Zentralbank relevant sind. Es wird um den Binnenmarkt gehen und wie dieser Europa noch stärker machen kann. Meiner Meinung nach spielen die Spar- und Investitionsunion sowie der digitale Euro dabei eine wichtige Rolle. Aber als Zentralbanker steht natürlich die Preisstabilität an erster Stelle. Lassen Sie uns daher mit einem Blick auf Inflation und Geldpolitik im Euroraum beginnen. Bis vor kurzem erzeugte dieser Teil meiner Reden eher Langeweile: Die Inflation pendelte um die 2% Marke und der Ausblick versprach dasselbe. Kurz gesagt, in der Eurozone herrschte Preisstabilität. Die Geldpolitik hatte ihr Ziel erreicht. Diese Langeweile konnte ich gut ertragen. Aber dann begann der Krieg im Iran und veränderte die Situation. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen. Auf dem Weltmarkt stiegen die Öl- und Gaspreise dramatisch an, und die Preise schwanken immer noch weit über den Vorkriegslevels. Dies hat einen doppelten negativen Einfluss: Es dämpft die wirtschaftliche Aktivität und heizt die Inflation an. In den Verbraucherpreisen spüren wir die höheren Rohölpreise aus erster Hand durch Treibstoff und Heizöl. Deshalb ist die Inflationsrate im Euroraum im März stark angestiegen, zunächst auf 2,6% und laut ersten Schätzungen auf 3,0% im April. Dies ist die höchste Rate seit September 2023. Gleichzeitig sehen wir weltweit, dass Störungen auf den Energiemärkten die Liefer- und Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. Energieintensive Produkte werden ebenfalls teurer und knapper. Und mit steigenden Preisen für verschiedene Brennstoffe steigen auch die Transportkosten. Die Geldpolitik kann den abrupten Anstieg der Energiepreise nicht verhindern. Sie kann die Schifffahrtsrouten nicht freihalten oder die Produktions- und Hafenanlagen nicht reparieren. Die Geldpolitik kann jedoch beeinflussen, wie sich die Inflation mittel- bis langfristig entwickeln wird. Es gibt derzeit noch viele Unsicherheiten in dieser Hinsicht. Wie lange wird die Straße von Hormus blockiert bleiben? Wie groß ist der Schaden an der Energieinfrastruktur in der Region? Wie schnell kann dies behoben werden? Wann werden die üblichen Produktionsmengen wieder erreicht? Wann werden sich die gestörten Lieferketten normalisieren? Wann werden die Öl- und Gaspreise wieder deutlich fallen und auf welches Niveau? Eines ist klar: Je länger der Konflikt andauert, desto größer ist das Risiko, dass die Inflation hoch bleibt, wenn die Geldpolitikbehörden nicht handeln. Deshalb betrachten wir zwei Faktoren sehr genau. Erstens, wie stark fließen die hohen Energiepreise in Verbraucherpreise und Lohnverhandlungen ein? Und inwieweit verstärken sich anschließend inländische Preis- und Lohndrücke gegenseitig? Zweitens, mit welcher Inflationsrate rechnen Finanzmarktexperten, aber auch Unternehmen und Haushalte mittel- bis langfristig? Beide Faktoren sind wichtig für den zukünftigen Pfad der Inflation. Und die Geldpolitik kann auf beide Einfluss nehmen. Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sahen wir, wie ein Anstieg der Energiepreise zu einer breiten Inflation führte. Diese Erfahrung ist noch frisch und könnte daher beeinflussen, wie Unternehmen und Haushalte auf diesen neuen Preisschock reagieren. Und tatsächlich sehen wir, dass die Öffentlichkeit jetzt deutlich höhere Inflationserwartungen hat: Von Februar bis März stiegen die mittelfristigen Inflationserwartungen der Haushalte im Euroraum von durchschnittlich 2,5% auf 3,0%. Aber die aktuelle Situation unterscheidet sich sehr von der in 2021 und 2022. Als der Krieg Russlands gegen die Ukraine begann, war die Inflation bereits hoch und der Einlagenzinssatz negativ. Als der Krieg im Iran begann, lag die Inflation bei rund 2% und die Leitzinsen waren weitgehend neutral. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen Die Ausgangslage ist heute also eine andere als damals. Vor diesem Hintergrund traf sich der EZB-Rat letzte Woche. Wir kamen zu dem Schluss, dass es derzeit sinnvoll ist, abzuwarten, um einen klareren Überblick über die Entwicklungen zu erhalten. Daher haben wir die Leitzinsen stabil gehalten. Man sollte die wachsame, abwartende Haltung des EZB-Rats nicht mit Zögerlichkeit verwechseln. Wir sind uns der Risiken für die Preisstabilität bewusst und sind jederzeit handlungsbereit. Der EZB-Rat wird im Juni zu seinem nächsten geldpolitischen Treffen zusammenkommen. Dann werden wir mehr darüber wissen, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickelt. Wir werden auch neue Prognosen haben. Wenn die Inflationsaussichten darin nicht deutlich verbessert sind, spricht dies für eine Zinserhöhung. Der EZB-Rat hat gezeigt, dass er entschlossen handelt, wenn es nötig ist: Er hat die Leitzinsen zwischen Juli 2022 und September 2023 zehnmal erhöht und dann achtmal gesenkt. Ich erwarte, dass sich der Nebel im Juni etwas lichtet und wir klarer sehen, wohin die Reise geht. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Inflationsrate mittelfristig wieder bei 2 % stabilisieren. Darauf basiert unsere geldpolitische Ausrichtung. Herausforderungen in volatilen Zeiten – und Europas Antworten Aber egal wie wichtig eine angemessene geldpolitische Reaktion auf akute Preisschocks ist, sie ist nur ein Teil der Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. In einer Welt anhaltender Unsicherheit geht es nicht nur darum, auf einzelne Ereignisse zu reagieren, sondern unsere wirtschaftspolitischen Strategien insgesamt robuster und anpassungsfähiger zu gestalten. Die Aufmerksamkeit richtet sich daher zunehmend auf strukturelle Veränderungen, die der volatileren Umgebung zugrunde liegen, insbesondere auf die geoeconomische Fragmentierung. Ich möchte nun auf die Herausforderungen eingehen, die sich daraus ergeben – und wie Europa und das Eurosystem darauf reagieren können. Der Internationale Währungsfonds definiert geoeconomische Fragmentierung als eine politisch gesteuerte Umkehrung der wirtschaftlichen Integration, oft geleitet von strategischen Überlegungen. Geoeconomische Fragmentierung betrifft den Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie Finanzströme und Migration. Als Wirtschaft, die stark in den globalen Handel und Wertschöpfungsketten integriert ist, ist Europa besonders von diesem Trend betroffen. In den letzten Jahren hat diese Fragmentierung zu schwächerem Wirtschaftswachstum und abnehmender Wettbewerbsfähigkeit beigetragen. Vor diesem Hintergrund müssen wir entschlossen handeln, um der europäischen Wirtschaft wieder mehr Schwung zu verleihen. Es geht nicht nur darum, unsere globalen Marktanteile zu sichern oder auszubauen, sondern vor allem darum, das enorme Potenzial des europäischen Binnenmarktes besser zu nutzen. Die vielzitierten Berichte von Enrico Letta und Mario Draghi fordern eine deutliche Vereinfachung der Regelungen in der Europäischen Union, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu verbessern. Das Problem besteht hier weniger in der Existenz von Regeln und Vorschriften als vielmehr in ihrem hohen Maß an Komplexität und Starrheit. In der Praxis sieht sich ein mittelständisches Unternehmen, das in der EU tätig werden möchte, häufig nicht mit einem Binnenmarkt konfrontiert, sondern vielmehr mit einem Flickenteppich aus unterschiedlichen nationalen Regeln, Berichtspflichten und Verfahren. Die Europäische Kommission hat bereits Initiativen ergriffen, um die Regulierung in der Europäischen Union zu vereinfachen und die Verwaltungskosten zu reduzieren. Im März legte die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag für die Einführung eines neuen EU-weiten Regimes im Gesellschaftsrecht vor. Dies soll vor allem jungen und innovativen Unternehmen den Betrieb im EU-Binnenmarkt erleichtern und die Wachstumschancen verbessern. Dieser Vorschlag muss nun in Europa verhandelt werden. Meiner Meinung nach bietet er großes Potenzial, die Gründung und Skalierung von Unternehmen im europäischen Binnenmarkt zu erleichtern. Auch im Bereich der Finanzmarktregulierung gibt es Spielraum für Vereinfachungen – ohne dabei die Finanzstabilität zu gefährden. Der EZB-Rat hat eine hochrangige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich speziell mit der Frage beschäftigt, wie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Euroraum effizienter und weniger komplex gestaltet werden können. Ich bin Mitglied dieser Gruppe. Allerdings müssen wir mehr tun als nur die Regulierung zu vereinfachen und die Bürokratie zu reduzieren, um der europäischen Wirtschaft mehr Schwung zu verleihen. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten haben uns gezeigt, wie dringend es ist, die Abhängigkeit der EU von importierter Energie allmählich zu verringern. Hier ist es für uns in Europa entscheidend, gemeinsam daran zu arbeiten, die Versorgung mit erneuerbarer Energie auszubauen und die europäischen Energie netze besser zu verknüpfen. Weitere Bereiche, die entscheidend für den Erfolg sein werden und in denen wir weniger abhängig werden sollten, sind Verteidigung und Digitalisierung, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Diese Herausforderungen können nicht allein mit öffentlichen Mitteln bewältigt werden. Der öffentliche Sektor kann jedoch die Rahmenbedingungen verbessern, damit der private Sektor investieren, Lösungen entwickeln und auf den Markt bringen kann. Dennoch erfordert private Investitionen Finanzierung. Es gibt derzeit noch Raum, die private Finanzierung junger, innovativer Unternehmen in Europa, insbesondere bei Eigenkapitalfinanzierung, auszubauen. Insbesondere im Bereich der Eigenkapitalfinanzierung stießen diese Unternehmen in Europa bisher auf deutlich weniger Interesse bei Investoren als auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Antwort Europas auf diese Herausforderung ist die Spar- und Investitionsunion. Der europäische Binnenmarkt besteht nun seit mehr als 30 Jahren – und doch gibt es immer noch eine erhebliche wirtschaftliche Fragmentierung zwischen den Mitgliedstaaten. Der Fortschritt in Richtung Integration ist begrenzt, insbesondere auf dem europäischen Finanzmarkt. Effektiv haben wir immer noch einzelne nationale Finanzmärkte. Dies belastet die europäische Wirtschaft insgesamt und behindert vor allem die Entwicklung junger und innovativer Unternehmen, da es für sie schwierig ist, grenzüberschreitend Finanzierung zu erhalten. Wir haben viel zu gewinnen, wenn wir weiterhin vorantreiben, die Integration der europäischen Kapitalmärkte voranzutreiben. Denn Europa verfügt über hohe Ersparnisse. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Die Antworten Europas auf globale Herausforderungen, die dazu genutzt werden können, Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Kontinent zu stärken. Die Europäische Union hat bereits wichtige Fortschritte in Richtung einer Spar- und Investitionsunion gemacht. Einige Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Weitere spezifische Vorschläge liegen zur Diskussion auf dem Tisch. Zum Beispiel hat der Rat der Europäischen Union kürzlich grünes Licht für eine größere Harmonisierung der Regeln für Insolvenzverfahren in der EU gegeben. Zusätzliche Schritte zur Beseitigung von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Handel mit Wertpapieren, die Nutzung neuer Technologien wie verteilte Hauptbücher im Finanzsektor sowie eine größere Konvergenz und Zentralisierung der Aufsicht über Finanzmarktinfrastrukturen werden derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Meiner Meinung nach ist es entscheidend, dass Europa in absehbarer Zeit weitere Fortschritte bei der Spar- und Investitionsunion macht. Die Arbeit an diesem Projekt sollte beschleunigt werden. Vor diesem Hintergrund begrüße ich das kürzliche gemeinsame Bekenntnis des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission, bis spätestens Ende 2027 die wichtigsten Elemente für den EU-Binnenmarkt zu verabschieden. Viele wichtige Projekte – insbesondere im Bereich der Spar- und Investitionsunion – sollen sogar noch bis Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Der digitale Euro: Ein Schlüsselprojekt für souveräne europäische Zahlungen Es gibt auch kritische Abhängigkeiten in einem Bereich, für den Zentralbanken verantwortlich sind. Meine Damen und Herren, Sie könnten von diesem Thema sogar heute Abend betroffen sein: nämlich wenn Sie eine Zahlung tätigen und nicht bar bezahlen. Der Trend zu digitalen Zahlungen verstärkt weiterhin nicht-europäische Marktführer wie Mastercard, Visa und PayPal. Dies schafft eine Abhängigkeit, die genauso riskant sein kann wie in den Bereichen Verteidigung oder künstliche Intelligenz. Dies haben bereits Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gespürt: Nach US-Sanktionen haben Banken und Zahlungsdienstleister ihre Konten und Karten gesperrt. All dies unterstreicht die Notwendigkeit zu handeln: Europa kann nicht einfach im Beifahrersitz sitzen, wenn es um Zahlungen geht. Europa muss am Steuer sitzen. Hier kommt der digitale Euro ins Spiel. Es handelt sich um ein Schlüsselprojekt zur Stärkung der Souveränität Europas im Zahlungsverkehr. Es wäre ein sicheres, allgemein akzeptiertes digitales Zahlungsmittel, basierend auf europäischer Infrastruktur und unter europäischer Kontrolle. Die Zentralbanken des Eurogebiets arbeiten gemeinsam daran. Und die Bundesbank ist Teil des Konsortiums, das das Projekt im Detail umsetzt. Der digitale Euro wäre eine zusätzliche elektronische Form von Zentralbankgeld. Der Schwerpunkt liegt hier auf «zusätzlich»: Er wird Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Wer bar bezahlen möchte, kann dies auch in Zukunft tun. Wenn Sie jedoch digital bezahlen möchten, werden Sie erstmals mit Geld der Zentralbank bezahlen können. Der digitale Euro wird eine digitale Zahlungslösung bieten, die in ganz Europa genutzt werden kann. Dies mag zunächst abstrakt klingen. Aber die Vorteile für die Allgemeinheit sind sehr real. Der digitale Euro soll in Unternehmen, im Online-Handel und für Zahlungen zwischen Privatpersonen funktionieren. Und er wird nahtlos im gesamten Eurogebiet funktionieren. Heute bestehen fast alle Optionen aus eigenständigen nationalen Lösungen. Metaphorisch gesprochen ist Europa ein Flickenteppich, und dieser Flickenteppich hat noch viele Lücken. Wir brauchen eine wirklich europäische digitale Zahlungsoption, die überall funktioniert. Genau diese Lücke kann der digitale Euro schließen. Er wäre nicht nur bequem. Er würde auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Und diese gesteigerte Widerstandsfähigkeit betrifft nicht nur nicht-europäische Anbieter: Der digitale Euro soll auch offline funktionieren können. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass Sie auch ohne Zugang zu Strom oder Internet Zahlungen tätigen können. Dies unterstützt Strategien zur Reduzierung von Verwundbarkeiten in kritischer Infrastruktur. Mir ist bewusst, dass ein weiterer Aspekt des digitalen Euro vielen Menschen auf dem Herzen liegt: Was passiert mit meinen Daten? Der digitale Euro wurde von Anfang an mit hohen Datenschutzstandards entwickelt. Das Eurosystem wird keinen Zugriff auf persönliche Zahlungsdaten der Nutzer haben. Der Staat wird also weder sehen, was die Menschen kaufen noch wo sie einkaufen. Die geplante Offline-Funktionalität wird ein noch höheres Maß an Privatsphäre erreichen, ähnlich wie bei Bargeld. Persönliche Transaktionsdaten werden nur zwei Personen bekannt sein: dem Zahler und dem Empfänger. Und ich möchte noch betonen: Der digitale Euro richtet sich nicht gegen Banken oder private Anbieter. Öffentliche und private Lösungen können sich ergänzen. Der digitale Euro könnte eine gemeinsame europäische Infrastruktur schaffen, auf der private Zahlungsdienstleister ihre eigenen Angebote entwickeln können. Insgesamt ist der digitale Euro viel mehr als nur eine neue App oder eine neue Zahlungsmethode. Es geht um Wahlfreiheit, Datenschutz und den Zugang zu öffentlichem Geld – auch in der digitalen Umgebung. Und es geht um die Stärkung von Effizienz, Widerstandsfähigkeit und strategischer Autonomie im europäischen Zahlungsverkehr. Damit der digitale Euro Realität wird, müssen wir einen verbindlichen rechtlichen Rahmen schaffen. Hier kommen die EU-Gesetzgeber ins Spiel. Ich bin zuversichtlich, dass in rechtlicher Hinsicht bis Ende des Jahres alles besiegelt sein wird. Sobald die rechtliche Grundlage geschaffen wurde, wird der EZB-Rat eine endgültige Entscheidung darüber treffen, ob der digitale Euro tatsächlich eingeführt wird. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen

Konstanze Schneider mayo 8, 2026
Stabil-und-stark-in-turbulenten-Zeiten-Die-Reaktionen-Europas.png

This speech is being delivered with some changes made for delivery purposes.

1 Introduction

Ladies and gentlemen, 

Thank you for inviting me and for the warm welcome. I am delighted to be here with you today.

We are meeting on the eve of Europe Day for the Council of Europe, followed by Europe Day for the European Union on 9 May, which marks the anniversary of the Schuman Declaration. These days symbolize the start of peaceful cooperation in Europe, leading to the formation of the European Union. They remind us of the importance of European integration in achieving peace, freedom, and prosperity. In the face of current challenges, it is crucial to uphold the values of European integration and work together to maintain our achievements.

The world is experiencing significant changes with growing rivalries and geopolitical tensions. As we navigate through various upheavals, it is essential to focus on stability and strength in Europe. In my speech, I will discuss how the single market, savings and investments union, digital euro, and price stability play a crucial role in strengthening Europe.

I will begin by addressing inflation and monetary policy in the euro area, considering recent developments and their impact on the economy.

2 Price developments and monetary policy in the euro area

Inflation has recently surged in the euro area due to the Iran war, leading to higher energy prices and increased economic uncertainty. This has affected consumer prices and disrupted supply chains, resulting in elevated inflation rates.

While monetary policy cannot control energy prices, it can influence inflation in the medium term. As we assess the impact of current events on inflation expectations and economic stability, it is crucial to monitor consumer prices, wage negotiations, and market expectations closely.

The ongoing conflict and its repercussions highlight the importance of proactive monetary policy to address inflationary pressures and ensure economic stability. By closely monitoring inflation factors and market expectations, we can mitigate the impact of external shocks on the economy.

As we navigate through these challenges, it is crucial to learn from past experiences and adapt our monetary policy strategies to maintain price stability and economic resilience in the euro area.

The current starting position is different from the past. The European Central Bank Governing Council recently decided to hold key interest rates steady to gain a clearer view of developments. This cautious approach is not hesitancy, but rather a vigilant stance to address risks to price stability promptly. The Governing Council will meet again in June to assess the situation in the Middle East and review new projections. If the inflation outlook does not improve significantly, an interest rate hike may be considered.

In volatile times, addressing acute price shocks through monetary policy is essential but only part of the response to current challenges. Structural changes are needed to make economic policy strategies more robust and adaptable. Geoeconomic fragmentation, defined as a policy-driven reversal of economic integration, affects Europe due to its strong integration into global trade and value chains. To combat this trend and boost economic growth, Europe must simplify regulations in the European Union and enhance the single market’s potential.

Efforts to simplify regulations and reduce bureaucracy in financial markets are ongoing, with a focus on making prudential requirements in the euro area more efficient. Additionally, reducing the EU’s dependence on imported energy and increasing renewable energy sources are crucial. Joint efforts to expand the supply of renewable energy and improve European energy networks are essential.

To address challenges in defence, digitalization, and artificial intelligence, public and private sectors must collaborate. Private funding for young and innovative enterprises in Europe needs expansion, particularly in equity financing. The savings and investments union is Europe’s response to encourage private investment and support the development of innovative enterprises.

Despite the existence of the European single market for over 30 years, economic fragmentation between Member States persists. Integration of European capital markets is crucial to unlock the high amount of savings in Europe and support the growth of young and innovative enterprises. Continuing to push for further integration of European capital markets will benefit the European economy as a whole. These resources could be better utilized to enhance innovation, productivity, and competitiveness throughout Europe. The European Union has already made significant progress towards establishing a savings and investments union, with further proposals in the pipeline for consideration. Measures such as harmonizing insolvency rules and removing barriers to cross-border securities trading are being discussed at the EU level. It is essential for Europe to expedite progress on the savings and investments union, with key elements expected to be adopted by the end of this year. Additionally, the digital euro project is crucial for strengthening Europe’s sovereignty in payments and would provide a secure, widely accepted digital payment option under European control. The digital euro aims to enhance resilience and efficiency in European payments while ensuring data protection and privacy standards are maintained. A binding legal framework is needed for the digital euro to become a reality, with expectations for this to be in place by the end of the year. Everything could be set up for a potential initial release in 2029. Conclusion: Ladies and gentlemen, as we approach Europe Day, it is not my intention to speak until then. The upcoming days serve as a reminder of how European unification emerged as a response to the aftermath of two world wars. Despite this, Europe has consistently found suitable solutions to contemporary challenges. Today, it is essential for Europe to continue this trend, perhaps more so than ever before. A stable and robust Europe is our best defense, and the Bundesbank, as part of the Eurosystem, is contributing by ensuring stable currency, supporting the savings and investments union, and advancing the digital euro. I am eager to hear your perspectives on the current situation and look forward to our discussion. As fuel prices increase, transportation costs also rise. Monetary policy cannot control sudden spikes in energy prices or repair damaged infrastructure, but it can impact medium-term inflation. Uncertainties remain about how long disruptions will last and when prices will stabilize. The longer the conflict persists, the higher the risk of prolonged inflation. The European Central Bank is monitoring inflation factors closely and will adjust policy accordingly. Structural changes are needed to address geoeconomic fragmentation and boost European competitiveness. Efforts to simplify regulations and reduce administrative burdens are underway to enhance the European single market. Financial market regulation can also be streamlined without compromising stability. The ECB Governing Council has established a high-level working group to address the efficiency and complexity of prudential requirements in the euro area, in which I am a member.

In addition to simplifying regulations and reducing bureaucracy, it is essential to lessen the EU’s reliance on imported energy, especially in light of the repercussions of the Middle East war. Collaborative efforts in Europe to expand renewable energy sources and enhance energy networks are crucial.

Other critical areas for reducing dependence include defense, digitalization, and the development of AI, all of which require private sector investment. Encouraging private financing for innovative enterprises in Europe, particularly through equity financing, is vital.

Further integration of European capital markets is necessary to unlock the continent’s high savings potential for innovation and competitiveness. Efforts towards a savings and investments union are already underway, with proposals for harmonizing insolvency rules and promoting cross-border securities trading.

Accelerating progress on the savings and investments union within Europe is imperative for economic growth. The digital euro project, aimed at strengthening European sovereignty in payments, is a key initiative to reduce reliance on non-European payment systems. It will provide a secure digital payment solution for seamless transactions across the euro area, complementing existing cash options. Señoras y señores,

Les agradezco mucho su invitación y cálida bienvenida. Me complace enormemente estar con ustedes hoy.

Nos encontramos en vísperas del Día de Europa del Consejo de Europa. Esto es seguido por el Día de Europa de la Unión Europea el 9 de mayo, fecha en la que se celebra el aniversario de la Declaración Schuman. Este marca el comienzo de una nueva era de cooperación pacífica en Europa. Así se sentaron las bases para la actual Unión Europea. Ambos días conmemoran la integración europea. Son un recordatorio de dos hitos en la creación de una Europa que ha aprendido de la experiencia histórica: Después de la devastación y sufrimiento de las dos guerras mundiales, se depositó la confianza en el poder de la ley, la cooperación y las instituciones comunes. Hoy, vivir en paz, libertad y prosperidad es la única vida que conocemos. Esto se debe en gran medida a la integración europea. Es bueno que los dos Días de Europa nos lo recuerden, especialmente en momentos como estos.

Estamos experimentando un mundo de cambios: las rivalidades están creciendo, el clima geopolítico es más duro, la situación está cambiando constantemente de manera abrupta. In just the past decade, we have experienced four significant disruptions: the global pandemic affecting supply chains, Russia’s invasion of Ukraine leading to an energy crisis in Europe, the unpredictable US trade policies with tariffs, and the escalating conflict in the Middle East driving up oil and gas prices. These events have reshaped our security, trade relationships, and energy sources. It is crucial to uphold the achievements of European integration in this challenging environment to safeguard peace, freedom, and prosperity.

As the world undergoes changes beyond our control, Europe must strengthen itself to navigate the new global landscape. This entails focusing on aspects such as the single market, the savings and investments union, the digital euro, and maintaining price stability. Inflation and monetary policy in the euro area have been significantly impacted by recent events, with rising energy prices leading to heightened inflation rates. While monetary policy cannot control external factors, it can influence inflation trends in the medium term.

The uncertainty surrounding ongoing conflicts and energy market disruptions poses challenges for predicting inflation levels. Monitoring how energy prices affect consumer prices and wage negotiations, as well as gauging inflation expectations, are crucial for guiding monetary policy decisions. The European Central Bank’s Governing Council is closely watching these factors and stands ready to act if necessary to maintain price stability.

As the situation evolves, the Governing Council will convene in June to assess the inflation outlook and make decisions regarding interest rates. While the current environment presents risks, the Council remains committed to stabilizing the inflation rate at 2% over the medium term. The path forward may become clearer in the coming months, guiding future monetary policy actions to address the challenges posed by recent upheavals. This is the foundation of our monetary policy stance. In volatile times, Europe faces challenges that require responses. Geoeconomic fragmentation is affecting Europe’s economy, leading to weaker growth and competitiveness. Structural changes are needed to address this issue, such as simplifying regulations and reducing complexity in the European Union. Initiatives like the savings and investments union aim to boost private financing for young enterprises and integrate European capital markets. Progress in these areas can strengthen innovation, productivity, and competitiveness across the continent. Accelerating work on the savings and investments union is crucial for Europe’s economic growth and resilience. Numerous significant projects, particularly in the realm of the savings and investments union, are scheduled for adoption by the end of this year. (2003), Geoeconomic Fragmentation and the Future of Multilateralism, IMF Staff Discussion Notes 2003/001.

  • Draghi, M. (2024), The future of European competitiveness; Letta, E. (2024), Much more than a market.
  • Simplification – European Commission
  • EU Inc.: A new harmonised corporate legal regime – European Commission
  • Council of the European Union, Council greenlights common EU rules for insolvency proceedings, press release of 30 March 2026.
  • Market integration and supervision package – Finance – European Commission.
  • Council of the European Union, European institutions agree roadmap to achieve ‘One Europe, One Market’ by end of 2027, press release of 24 April 2026.
  • Deutsche Bundesbank (2025), The payments ecosystem in transition: current developments in the German card market, Monthly Report, December 2025.
  • Can you rewrite this paragraph for me?

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Europa muss stabil genug und stark genug sein, um mit der neuen globalen Situation umzugehen. In meiner Rede werde ich mich auf die Aspekte konzentrieren, die auch für uns als Zentralbank relevant sind. Es wird um den Binnenmarkt gehen und wie dieser Europa noch stärker machen kann. Meiner Meinung nach spielen die Spar- und Investitionsunion sowie der digitale Euro dabei eine wichtige Rolle. Aber als Zentralbanker steht natürlich die Preisstabilität an erster Stelle. Lassen Sie uns daher mit einem Blick auf Inflation und Geldpolitik im Euroraum beginnen. Bis vor kurzem erzeugte dieser Teil meiner Reden eher Langeweile: Die Inflation pendelte um die 2% Marke und der Ausblick versprach dasselbe. Kurz gesagt, in der Eurozone herrschte Preisstabilität. Die Geldpolitik hatte ihr Ziel erreicht. Diese Langeweile konnte ich gut ertragen. Aber dann begann der Krieg im Iran und veränderte die Situation. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen. 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Die Geldpolitik kann jedoch beeinflussen, wie sich die Inflation mittel- bis langfristig entwickeln wird. Es gibt derzeit noch viele Unsicherheiten in dieser Hinsicht. Wie lange wird die Straße von Hormus blockiert bleiben? Wie groß ist der Schaden an der Energieinfrastruktur in der Region? Wie schnell kann dies behoben werden? Wann werden die üblichen Produktionsmengen wieder erreicht? Wann werden sich die gestörten Lieferketten normalisieren? Wann werden die Öl- und Gaspreise wieder deutlich fallen und auf welches Niveau? Eines ist klar: Je länger der Konflikt andauert, desto größer ist das Risiko, dass die Inflation hoch bleibt, wenn die Geldpolitikbehörden nicht handeln. Deshalb betrachten wir zwei Faktoren sehr genau. Erstens, wie stark fließen die hohen Energiepreise in Verbraucherpreise und Lohnverhandlungen ein? Und inwieweit verstärken sich anschließend inländische Preis- und Lohndrücke gegenseitig? Zweitens, mit welcher Inflationsrate rechnen Finanzmarktexperten, aber auch Unternehmen und Haushalte mittel- bis langfristig? Beide Faktoren sind wichtig für den zukünftigen Pfad der Inflation. Und die Geldpolitik kann auf beide Einfluss nehmen. Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sahen wir, wie ein Anstieg der Energiepreise zu einer breiten Inflation führte. Diese Erfahrung ist noch frisch und könnte daher beeinflussen, wie Unternehmen und Haushalte auf diesen neuen Preisschock reagieren. Und tatsächlich sehen wir, dass die Öffentlichkeit jetzt deutlich höhere Inflationserwartungen hat: Von Februar bis März stiegen die mittelfristigen Inflationserwartungen der Haushalte im Euroraum von durchschnittlich 2,5% auf 3,0%. Aber die aktuelle Situation unterscheidet sich sehr von der in 2021 und 2022. Als der Krieg Russlands gegen die Ukraine begann, war die Inflation bereits hoch und der Einlagenzinssatz negativ. Als der Krieg im Iran begann, lag die Inflation bei rund 2% und die Leitzinsen waren weitgehend neutral. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen Die Ausgangslage ist heute also eine andere als damals. Vor diesem Hintergrund traf sich der EZB-Rat letzte Woche. Wir kamen zu dem Schluss, dass es derzeit sinnvoll ist, abzuwarten, um einen klareren Überblick über die Entwicklungen zu erhalten. Daher haben wir die Leitzinsen stabil gehalten. Man sollte die wachsame, abwartende Haltung des EZB-Rats nicht mit Zögerlichkeit verwechseln. Wir sind uns der Risiken für die Preisstabilität bewusst und sind jederzeit handlungsbereit. Der EZB-Rat wird im Juni zu seinem nächsten geldpolitischen Treffen zusammenkommen. Dann werden wir mehr darüber wissen, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickelt. Wir werden auch neue Prognosen haben. Wenn die Inflationsaussichten darin nicht deutlich verbessert sind, spricht dies für eine Zinserhöhung. Der EZB-Rat hat gezeigt, dass er entschlossen handelt, wenn es nötig ist: Er hat die Leitzinsen zwischen Juli 2022 und September 2023 zehnmal erhöht und dann achtmal gesenkt. Ich erwarte, dass sich der Nebel im Juni etwas lichtet und wir klarer sehen, wohin die Reise geht. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Inflationsrate mittelfristig wieder bei 2 % stabilisieren. Darauf basiert unsere geldpolitische Ausrichtung. Herausforderungen in volatilen Zeiten – und Europas Antworten Aber egal wie wichtig eine angemessene geldpolitische Reaktion auf akute Preisschocks ist, sie ist nur ein Teil der Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. In einer Welt anhaltender Unsicherheit geht es nicht nur darum, auf einzelne Ereignisse zu reagieren, sondern unsere wirtschaftspolitischen Strategien insgesamt robuster und anpassungsfähiger zu gestalten. Die Aufmerksamkeit richtet sich daher zunehmend auf strukturelle Veränderungen, die der volatileren Umgebung zugrunde liegen, insbesondere auf die geoeconomische Fragmentierung. Ich möchte nun auf die Herausforderungen eingehen, die sich daraus ergeben – und wie Europa und das Eurosystem darauf reagieren können. Der Internationale Währungsfonds definiert geoeconomische Fragmentierung als eine politisch gesteuerte Umkehrung der wirtschaftlichen Integration, oft geleitet von strategischen Überlegungen. Geoeconomische Fragmentierung betrifft den Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie Finanzströme und Migration. Als Wirtschaft, die stark in den globalen Handel und Wertschöpfungsketten integriert ist, ist Europa besonders von diesem Trend betroffen. In den letzten Jahren hat diese Fragmentierung zu schwächerem Wirtschaftswachstum und abnehmender Wettbewerbsfähigkeit beigetragen. Vor diesem Hintergrund müssen wir entschlossen handeln, um der europäischen Wirtschaft wieder mehr Schwung zu verleihen. Es geht nicht nur darum, unsere globalen Marktanteile zu sichern oder auszubauen, sondern vor allem darum, das enorme Potenzial des europäischen Binnenmarktes besser zu nutzen. Die vielzitierten Berichte von Enrico Letta und Mario Draghi fordern eine deutliche Vereinfachung der Regelungen in der Europäischen Union, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu verbessern. Das Problem besteht hier weniger in der Existenz von Regeln und Vorschriften als vielmehr in ihrem hohen Maß an Komplexität und Starrheit. In der Praxis sieht sich ein mittelständisches Unternehmen, das in der EU tätig werden möchte, häufig nicht mit einem Binnenmarkt konfrontiert, sondern vielmehr mit einem Flickenteppich aus unterschiedlichen nationalen Regeln, Berichtspflichten und Verfahren. Die Europäische Kommission hat bereits Initiativen ergriffen, um die Regulierung in der Europäischen Union zu vereinfachen und die Verwaltungskosten zu reduzieren. Im März legte die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag für die Einführung eines neuen EU-weiten Regimes im Gesellschaftsrecht vor. Dies soll vor allem jungen und innovativen Unternehmen den Betrieb im EU-Binnenmarkt erleichtern und die Wachstumschancen verbessern. Dieser Vorschlag muss nun in Europa verhandelt werden. Meiner Meinung nach bietet er großes Potenzial, die Gründung und Skalierung von Unternehmen im europäischen Binnenmarkt zu erleichtern. Auch im Bereich der Finanzmarktregulierung gibt es Spielraum für Vereinfachungen – ohne dabei die Finanzstabilität zu gefährden. Der EZB-Rat hat eine hochrangige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich speziell mit der Frage beschäftigt, wie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Euroraum effizienter und weniger komplex gestaltet werden können. Ich bin Mitglied dieser Gruppe. Allerdings müssen wir mehr tun als nur die Regulierung zu vereinfachen und die Bürokratie zu reduzieren, um der europäischen Wirtschaft mehr Schwung zu verleihen. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten haben uns gezeigt, wie dringend es ist, die Abhängigkeit der EU von importierter Energie allmählich zu verringern. Hier ist es für uns in Europa entscheidend, gemeinsam daran zu arbeiten, die Versorgung mit erneuerbarer Energie auszubauen und die europäischen Energie netze besser zu verknüpfen. Weitere Bereiche, die entscheidend für den Erfolg sein werden und in denen wir weniger abhängig werden sollten, sind Verteidigung und Digitalisierung, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Diese Herausforderungen können nicht allein mit öffentlichen Mitteln bewältigt werden. Der öffentliche Sektor kann jedoch die Rahmenbedingungen verbessern, damit der private Sektor investieren, Lösungen entwickeln und auf den Markt bringen kann. Dennoch erfordert private Investitionen Finanzierung. Es gibt derzeit noch Raum, die private Finanzierung junger, innovativer Unternehmen in Europa, insbesondere bei Eigenkapitalfinanzierung, auszubauen. Insbesondere im Bereich der Eigenkapitalfinanzierung stießen diese Unternehmen in Europa bisher auf deutlich weniger Interesse bei Investoren als auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Antwort Europas auf diese Herausforderung ist die Spar- und Investitionsunion. Der europäische Binnenmarkt besteht nun seit mehr als 30 Jahren – und doch gibt es immer noch eine erhebliche wirtschaftliche Fragmentierung zwischen den Mitgliedstaaten. Der Fortschritt in Richtung Integration ist begrenzt, insbesondere auf dem europäischen Finanzmarkt. Effektiv haben wir immer noch einzelne nationale Finanzmärkte. Dies belastet die europäische Wirtschaft insgesamt und behindert vor allem die Entwicklung junger und innovativer Unternehmen, da es für sie schwierig ist, grenzüberschreitend Finanzierung zu erhalten. Wir haben viel zu gewinnen, wenn wir weiterhin vorantreiben, die Integration der europäischen Kapitalmärkte voranzutreiben. Denn Europa verfügt über hohe Ersparnisse. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Die Antworten Europas auf globale Herausforderungen, die dazu genutzt werden können, Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Kontinent zu stärken. Die Europäische Union hat bereits wichtige Fortschritte in Richtung einer Spar- und Investitionsunion gemacht. Einige Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Weitere spezifische Vorschläge liegen zur Diskussion auf dem Tisch. Zum Beispiel hat der Rat der Europäischen Union kürzlich grünes Licht für eine größere Harmonisierung der Regeln für Insolvenzverfahren in der EU gegeben. Zusätzliche Schritte zur Beseitigung von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Handel mit Wertpapieren, die Nutzung neuer Technologien wie verteilte Hauptbücher im Finanzsektor sowie eine größere Konvergenz und Zentralisierung der Aufsicht über Finanzmarktinfrastrukturen werden derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Meiner Meinung nach ist es entscheidend, dass Europa in absehbarer Zeit weitere Fortschritte bei der Spar- und Investitionsunion macht. Die Arbeit an diesem Projekt sollte beschleunigt werden. Vor diesem Hintergrund begrüße ich das kürzliche gemeinsame Bekenntnis des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission, bis spätestens Ende 2027 die wichtigsten Elemente für den EU-Binnenmarkt zu verabschieden. Viele wichtige Projekte – insbesondere im Bereich der Spar- und Investitionsunion – sollen sogar noch bis Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Der digitale Euro: Ein Schlüsselprojekt für souveräne europäische Zahlungen Es gibt auch kritische Abhängigkeiten in einem Bereich, für den Zentralbanken verantwortlich sind. Meine Damen und Herren, Sie könnten von diesem Thema sogar heute Abend betroffen sein: nämlich wenn Sie eine Zahlung tätigen und nicht bar bezahlen. Der Trend zu digitalen Zahlungen verstärkt weiterhin nicht-europäische Marktführer wie Mastercard, Visa und PayPal. Dies schafft eine Abhängigkeit, die genauso riskant sein kann wie in den Bereichen Verteidigung oder künstliche Intelligenz. Dies haben bereits Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gespürt: Nach US-Sanktionen haben Banken und Zahlungsdienstleister ihre Konten und Karten gesperrt. All dies unterstreicht die Notwendigkeit zu handeln: Europa kann nicht einfach im Beifahrersitz sitzen, wenn es um Zahlungen geht. Europa muss am Steuer sitzen. Hier kommt der digitale Euro ins Spiel. Es handelt sich um ein Schlüsselprojekt zur Stärkung der Souveränität Europas im Zahlungsverkehr. Es wäre ein sicheres, allgemein akzeptiertes digitales Zahlungsmittel, basierend auf europäischer Infrastruktur und unter europäischer Kontrolle. Die Zentralbanken des Eurogebiets arbeiten gemeinsam daran. Und die Bundesbank ist Teil des Konsortiums, das das Projekt im Detail umsetzt. Der digitale Euro wäre eine zusätzliche elektronische Form von Zentralbankgeld. Der Schwerpunkt liegt hier auf «zusätzlich»: Er wird Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Wer bar bezahlen möchte, kann dies auch in Zukunft tun. Wenn Sie jedoch digital bezahlen möchten, werden Sie erstmals mit Geld der Zentralbank bezahlen können. Der digitale Euro wird eine digitale Zahlungslösung bieten, die in ganz Europa genutzt werden kann. Dies mag zunächst abstrakt klingen. Aber die Vorteile für die Allgemeinheit sind sehr real. Der digitale Euro soll in Unternehmen, im Online-Handel und für Zahlungen zwischen Privatpersonen funktionieren. Und er wird nahtlos im gesamten Eurogebiet funktionieren. Heute bestehen fast alle Optionen aus eigenständigen nationalen Lösungen. Metaphorisch gesprochen ist Europa ein Flickenteppich, und dieser Flickenteppich hat noch viele Lücken. Wir brauchen eine wirklich europäische digitale Zahlungsoption, die überall funktioniert. Genau diese Lücke kann der digitale Euro schließen. Er wäre nicht nur bequem. Er würde auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Und diese gesteigerte Widerstandsfähigkeit betrifft nicht nur nicht-europäische Anbieter: Der digitale Euro soll auch offline funktionieren können. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass Sie auch ohne Zugang zu Strom oder Internet Zahlungen tätigen können. Dies unterstützt Strategien zur Reduzierung von Verwundbarkeiten in kritischer Infrastruktur. Mir ist bewusst, dass ein weiterer Aspekt des digitalen Euro vielen Menschen auf dem Herzen liegt: Was passiert mit meinen Daten? Der digitale Euro wurde von Anfang an mit hohen Datenschutzstandards entwickelt. Das Eurosystem wird keinen Zugriff auf persönliche Zahlungsdaten der Nutzer haben. Der Staat wird also weder sehen, was die Menschen kaufen noch wo sie einkaufen. Die geplante Offline-Funktionalität wird ein noch höheres Maß an Privatsphäre erreichen, ähnlich wie bei Bargeld. Persönliche Transaktionsdaten werden nur zwei Personen bekannt sein: dem Zahler und dem Empfänger. Und ich möchte noch betonen: Der digitale Euro richtet sich nicht gegen Banken oder private Anbieter. Öffentliche und private Lösungen können sich ergänzen. Der digitale Euro könnte eine gemeinsame europäische Infrastruktur schaffen, auf der private Zahlungsdienstleister ihre eigenen Angebote entwickeln können. Insgesamt ist der digitale Euro viel mehr als nur eine neue App oder eine neue Zahlungsmethode. Es geht um Wahlfreiheit, Datenschutz und den Zugang zu öffentlichem Geld – auch in der digitalen Umgebung. Und es geht um die Stärkung von Effizienz, Widerstandsfähigkeit und strategischer Autonomie im europäischen Zahlungsverkehr. Damit der digitale Euro Realität wird, müssen wir einen verbindlichen rechtlichen Rahmen schaffen. Hier kommen die EU-Gesetzgeber ins Spiel. Ich bin zuversichtlich, dass in rechtlicher Hinsicht bis Ende des Jahres alles besiegelt sein wird. Sobald die rechtliche Grundlage geschaffen wurde, wird der EZB-Rat eine endgültige Entscheidung darüber treffen, ob der digitale Euro tatsächlich eingeführt wird. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen
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Europa muss stabil genug und stark genug sein, um mit der neuen globalen Situation umzugehen. In meiner Rede werde ich mich auf die Aspekte konzentrieren, die auch für uns als Zentralbank relevant sind. Es wird um den Binnenmarkt gehen und wie dieser Europa noch stärker machen kann. Meiner Meinung nach spielen die Spar- und Investitionsunion sowie der digitale Euro dabei eine wichtige Rolle. Aber als Zentralbanker steht natürlich die Preisstabilität an erster Stelle. Lassen Sie uns daher mit einem Blick auf Inflation und Geldpolitik im Euroraum beginnen. Bis vor kurzem erzeugte dieser Teil meiner Reden eher Langeweile: Die Inflation pendelte um die 2% Marke und der Ausblick versprach dasselbe. Kurz gesagt, in der Eurozone herrschte Preisstabilität. Die Geldpolitik hatte ihr Ziel erreicht. Diese Langeweile konnte ich gut ertragen. Aber dann begann der Krieg im Iran und veränderte die Situation. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen. 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Die Geldpolitik kann jedoch beeinflussen, wie sich die Inflation mittel- bis langfristig entwickeln wird. Es gibt derzeit noch viele Unsicherheiten in dieser Hinsicht. Wie lange wird die Straße von Hormus blockiert bleiben? Wie groß ist der Schaden an der Energieinfrastruktur in der Region? Wie schnell kann dies behoben werden? Wann werden die üblichen Produktionsmengen wieder erreicht? Wann werden sich die gestörten Lieferketten normalisieren? Wann werden die Öl- und Gaspreise wieder deutlich fallen und auf welches Niveau? Eines ist klar: Je länger der Konflikt andauert, desto größer ist das Risiko, dass die Inflation hoch bleibt, wenn die Geldpolitikbehörden nicht handeln. Deshalb betrachten wir zwei Faktoren sehr genau. Erstens, wie stark fließen die hohen Energiepreise in Verbraucherpreise und Lohnverhandlungen ein? Und inwieweit verstärken sich anschließend inländische Preis- und Lohndrücke gegenseitig? 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Die Europäische Kommission hat bereits Initiativen ergriffen, um die Regulierung in der Europäischen Union zu vereinfachen und die Verwaltungskosten zu reduzieren. Im März legte die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag für die Einführung eines neuen EU-weiten Regimes im Gesellschaftsrecht vor. Dies soll vor allem jungen und innovativen Unternehmen den Betrieb im EU-Binnenmarkt erleichtern und die Wachstumschancen verbessern. Dieser Vorschlag muss nun in Europa verhandelt werden. Meiner Meinung nach bietet er großes Potenzial, die Gründung und Skalierung von Unternehmen im europäischen Binnenmarkt zu erleichtern. Auch im Bereich der Finanzmarktregulierung gibt es Spielraum für Vereinfachungen – ohne dabei die Finanzstabilität zu gefährden. Der EZB-Rat hat eine hochrangige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich speziell mit der Frage beschäftigt, wie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Euroraum effizienter und weniger komplex gestaltet werden können. Ich bin Mitglied dieser Gruppe. Allerdings müssen wir mehr tun als nur die Regulierung zu vereinfachen und die Bürokratie zu reduzieren, um der europäischen Wirtschaft mehr Schwung zu verleihen. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten haben uns gezeigt, wie dringend es ist, die Abhängigkeit der EU von importierter Energie allmählich zu verringern. Hier ist es für uns in Europa entscheidend, gemeinsam daran zu arbeiten, die Versorgung mit erneuerbarer Energie auszubauen und die europäischen Energie netze besser zu verknüpfen. Weitere Bereiche, die entscheidend für den Erfolg sein werden und in denen wir weniger abhängig werden sollten, sind Verteidigung und Digitalisierung, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Diese Herausforderungen können nicht allein mit öffentlichen Mitteln bewältigt werden. Der öffentliche Sektor kann jedoch die Rahmenbedingungen verbessern, damit der private Sektor investieren, Lösungen entwickeln und auf den Markt bringen kann. Dennoch erfordert private Investitionen Finanzierung. Es gibt derzeit noch Raum, die private Finanzierung junger, innovativer Unternehmen in Europa, insbesondere bei Eigenkapitalfinanzierung, auszubauen. Insbesondere im Bereich der Eigenkapitalfinanzierung stießen diese Unternehmen in Europa bisher auf deutlich weniger Interesse bei Investoren als auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Antwort Europas auf diese Herausforderung ist die Spar- und Investitionsunion. Der europäische Binnenmarkt besteht nun seit mehr als 30 Jahren – und doch gibt es immer noch eine erhebliche wirtschaftliche Fragmentierung zwischen den Mitgliedstaaten. Der Fortschritt in Richtung Integration ist begrenzt, insbesondere auf dem europäischen Finanzmarkt. Effektiv haben wir immer noch einzelne nationale Finanzmärkte. Dies belastet die europäische Wirtschaft insgesamt und behindert vor allem die Entwicklung junger und innovativer Unternehmen, da es für sie schwierig ist, grenzüberschreitend Finanzierung zu erhalten. Wir haben viel zu gewinnen, wenn wir weiterhin vorantreiben, die Integration der europäischen Kapitalmärkte voranzutreiben. Denn Europa verfügt über hohe Ersparnisse. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Die Antworten Europas auf globale Herausforderungen, die dazu genutzt werden können, Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Kontinent zu stärken. Die Europäische Union hat bereits wichtige Fortschritte in Richtung einer Spar- und Investitionsunion gemacht. Einige Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Weitere spezifische Vorschläge liegen zur Diskussion auf dem Tisch. Zum Beispiel hat der Rat der Europäischen Union kürzlich grünes Licht für eine größere Harmonisierung der Regeln für Insolvenzverfahren in der EU gegeben. Zusätzliche Schritte zur Beseitigung von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Handel mit Wertpapieren, die Nutzung neuer Technologien wie verteilte Hauptbücher im Finanzsektor sowie eine größere Konvergenz und Zentralisierung der Aufsicht über Finanzmarktinfrastrukturen werden derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Meiner Meinung nach ist es entscheidend, dass Europa in absehbarer Zeit weitere Fortschritte bei der Spar- und Investitionsunion macht. Die Arbeit an diesem Projekt sollte beschleunigt werden. Vor diesem Hintergrund begrüße ich das kürzliche gemeinsame Bekenntnis des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission, bis spätestens Ende 2027 die wichtigsten Elemente für den EU-Binnenmarkt zu verabschieden. Viele wichtige Projekte – insbesondere im Bereich der Spar- und Investitionsunion – sollen sogar noch bis Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Der digitale Euro: Ein Schlüsselprojekt für souveräne europäische Zahlungen Es gibt auch kritische Abhängigkeiten in einem Bereich, für den Zentralbanken verantwortlich sind. Meine Damen und Herren, Sie könnten von diesem Thema sogar heute Abend betroffen sein: nämlich wenn Sie eine Zahlung tätigen und nicht bar bezahlen. Der Trend zu digitalen Zahlungen verstärkt weiterhin nicht-europäische Marktführer wie Mastercard, Visa und PayPal. Dies schafft eine Abhängigkeit, die genauso riskant sein kann wie in den Bereichen Verteidigung oder künstliche Intelligenz. Dies haben bereits Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gespürt: Nach US-Sanktionen haben Banken und Zahlungsdienstleister ihre Konten und Karten gesperrt. All dies unterstreicht die Notwendigkeit zu handeln: Europa kann nicht einfach im Beifahrersitz sitzen, wenn es um Zahlungen geht. Europa muss am Steuer sitzen. Hier kommt der digitale Euro ins Spiel. Es handelt sich um ein Schlüsselprojekt zur Stärkung der Souveränität Europas im Zahlungsverkehr. Es wäre ein sicheres, allgemein akzeptiertes digitales Zahlungsmittel, basierend auf europäischer Infrastruktur und unter europäischer Kontrolle. Die Zentralbanken des Eurogebiets arbeiten gemeinsam daran. Und die Bundesbank ist Teil des Konsortiums, das das Projekt im Detail umsetzt. Der digitale Euro wäre eine zusätzliche elektronische Form von Zentralbankgeld. Der Schwerpunkt liegt hier auf «zusätzlich»: Er wird Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Wer bar bezahlen möchte, kann dies auch in Zukunft tun. Wenn Sie jedoch digital bezahlen möchten, werden Sie erstmals mit Geld der Zentralbank bezahlen können. Der digitale Euro wird eine digitale Zahlungslösung bieten, die in ganz Europa genutzt werden kann. Dies mag zunächst abstrakt klingen. Aber die Vorteile für die Allgemeinheit sind sehr real. Der digitale Euro soll in Unternehmen, im Online-Handel und für Zahlungen zwischen Privatpersonen funktionieren. Und er wird nahtlos im gesamten Eurogebiet funktionieren. Heute bestehen fast alle Optionen aus eigenständigen nationalen Lösungen. Metaphorisch gesprochen ist Europa ein Flickenteppich, und dieser Flickenteppich hat noch viele Lücken. Wir brauchen eine wirklich europäische digitale Zahlungsoption, die überall funktioniert. Genau diese Lücke kann der digitale Euro schließen. Er wäre nicht nur bequem. Er würde auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Und diese gesteigerte Widerstandsfähigkeit betrifft nicht nur nicht-europäische Anbieter: Der digitale Euro soll auch offline funktionieren können. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass Sie auch ohne Zugang zu Strom oder Internet Zahlungen tätigen können. Dies unterstützt Strategien zur Reduzierung von Verwundbarkeiten in kritischer Infrastruktur. Mir ist bewusst, dass ein weiterer Aspekt des digitalen Euro vielen Menschen auf dem Herzen liegt: Was passiert mit meinen Daten? Der digitale Euro wurde von Anfang an mit hohen Datenschutzstandards entwickelt. Das Eurosystem wird keinen Zugriff auf persönliche Zahlungsdaten der Nutzer haben. Der Staat wird also weder sehen, was die Menschen kaufen noch wo sie einkaufen. Die geplante Offline-Funktionalität wird ein noch höheres Maß an Privatsphäre erreichen, ähnlich wie bei Bargeld. Persönliche Transaktionsdaten werden nur zwei Personen bekannt sein: dem Zahler und dem Empfänger. Und ich möchte noch betonen: Der digitale Euro richtet sich nicht gegen Banken oder private Anbieter. Öffentliche und private Lösungen können sich ergänzen. Der digitale Euro könnte eine gemeinsame europäische Infrastruktur schaffen, auf der private Zahlungsdienstleister ihre eigenen Angebote entwickeln können. Insgesamt ist der digitale Euro viel mehr als nur eine neue App oder eine neue Zahlungsmethode. Es geht um Wahlfreiheit, Datenschutz und den Zugang zu öffentlichem Geld – auch in der digitalen Umgebung. Und es geht um die Stärkung von Effizienz, Widerstandsfähigkeit und strategischer Autonomie im europäischen Zahlungsverkehr. Damit der digitale Euro Realität wird, müssen wir einen verbindlichen rechtlichen Rahmen schaffen. Hier kommen die EU-Gesetzgeber ins Spiel. Ich bin zuversichtlich, dass in rechtlicher Hinsicht bis Ende des Jahres alles besiegelt sein wird. Sobald die rechtliche Grundlage geschaffen wurde, wird der EZB-Rat eine endgültige Entscheidung darüber treffen, ob der digitale Euro tatsächlich eingeführt wird. Stabil und stark in turbulenten Zeiten – Europas Antworten auf globale Herausforderungen

    Konstanze Schneider mayo 8, 2026
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